Epilepsie

Meine Anfälle beginnen mit einer kleinen Aura im linken Handgelenk. Danach zuckt mein linker Arm nach oben und unten. Ich spüre, wie ich nicht mehr Herr über die Bewegungen meines Armes bin.Seit Oktober 2017 bin ich fast anfallsfrei gewesen. Seitdem ich seit kurzem ein Medikament weniger nehme, habe ich wieder häufiger fokale Anfälle. Doch mit den kleinen fokalen Anfällen kann ich gut umgehen. Sie stören mich kaum. Die Hauptsache ist, dass ich keine größeren Anfälle mehr habe, vor allem keinen Status epilepticus. Es gab eine Zeit vor meiner aktuellen Medikation, wo ich fast jeden Tag bis zu 20 fokale und komplex-fokale Anfälle hatte. Im Frühjahr und Sommer 2017 bin ich oft gestürzt und habe mir dabei auch blaue Augen, offene Lippen und blutige Zungen geholt. Ich musste auch öfters ins Krankenhaus, um zu sehen, ob ich mir etwas getan hatte beim Sturz oder nicht. Meinen ersten Anfall hatte ich mit 6 Jahren. Heute bin ich 29 Jahre alt. Ich habe seit 23 Jahren Epilepsie und nehme auch seitdem Medikamente dagegen. Es hat Zeiten gegeben, wo die Medikamente besser gewirkt haben, und solche, wo die Wirkung nachgelassen hat.Ich habe viele Medikamente ausprobiert, in unterschiedlichen Kombinationen. Aktuell nehme ich Topiramat und Apydan extent. Darunter habe ich hin und wieder kleine Anfälle, bin aber sonst sorgenfrei. Mein Leben ist durch die Nebenwirkungen der Medikamente leicht eingeschränkt. Ich bin müder als andere Menschen, vergesse Dinge schneller, finde manchmal Wörter nicht so einfach.Eine Besonderheit bei mir ist noch, dass ich schwul bin. Es war nicht immer einfach, eine Behinderung zu haben und schwul zu sein. Es ist eine doppelte Belastung. Einfacher wäre es natürlich, wenn ich heterosexuell wäre. Dann hätte ich schon längst eine Freundin oder Frau. Doch ich muss damit leben, wie es jetzt ist. Ich kann mich nicht verändern. Mittlerweile habe ich einen Partner gefunden, der liebevoll mit mir umgeht. Er ist zwar älter als ich, doch das stört mich nicht. Er akzeptiert meine Krankheit und kümmert sich um mich, wenn es mir nicht gut geht. Dieses Jahr hatte ich eine Psychose. Vielleicht ist es eine sogenannte Alternativpsychose gewesen. Eine Psychose, die auftritt, wenn jemand, der längere Zeit sehr viele fokale Anfälle hatte, plötzlich keine Anfälle mehr hat. Das war die schwierigste Erkrankung, die ich bisher zu überstehen hatte. Immer noch nehme ich Medikamente gegen die Psychose. Ich hoffe, dass ich sie bald absetzen kann. Durch die Psychose kann ich nicht mehr verbeamtet werden. Ich hatte eigentlich ein Lehramtsstudium abgeschlossen. Doch nun kommt zu meiner bisherigen Erkrankung auch noch eine psychische, für die womöglich auch die heftige Epilepsie verantwortlich ist. Manchmal frage ich mich, wieso ausgerechnet mich, der ich eh schon eine Epilepsie hatte, auch noch diese zweite Erkrankung treffen musste.Ich war schon immer etwas anfällig, auch psychisch. Doch eine solche Erkrankung hätte ich nie im Leben erwartet. Manchmal weiß ich nicht, wie es noch mit mir weitergehen soll. Doch ich weiß, dass es immer irgendwie weitergeht. Ich werde hoffentlich meinen Weg gehen, auch wenn es nicht der ist, den ich mir nach meinem Abitur erhofft hatte. Damals wollte ich noch Lehrer werden.Was mich betrübt, ist, dass ich mich sozial sehr zurückziehe. Ich habe nur noch mit wenigen Menschen Kontakt. Meine besten Freunde sind mein aktueller Partner, meine Eltern und einige wenige Bekannte und Freunde. Ich lese gern und schreibe über meine gelesenen Bücher auf einem Blog Rezensionen. Ich würde gern zu etwas beitragen, doch will mich nicht überfordern.