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Tipps für Umgang als Angehöriger

EiEiEi, Dienstag, 09. Februar 2021, 16:37 (vor 18 Tagen) @ Seifenblase

Hallo!

Zunächst einmal möchte ich dir meinen größten Respekt und Wertschätzung aussprechen, dass du trotz zwei Anfällen und deinen damit verbundenen Ängsten nicht in Betracht ziehst, ihn (ich beziehe mich jetzt einfach immer auf "der Partner", daher das Maskulinum) zu verlassen. Das ist keine Selbstverständlichkeit (wie ich und wahrscheinlich auch viele andere wissen) und zeugt von großer Charakterstärke!

Zu deinen Fragen:
Dass du mit ihm redest und ihr offen über die Epilepsie kommunizieren könnt, ist die Grundlage. Auch wenn es noch so oft ist, rede lieber mit ihm drüber, als zu denken, du musst mit deinen Gefühlen/Ängsten alleine klarkommen. Und vor allem muss er wissen (und ich bin mir sicher, dass er das in sich weiß), dass du keine Angst vor ihm hast, wie man vor einem Monster oder so hast, sondern dass (wenn ich dich richtig verstehe) du Angst vor der Situation hast.
Ich habe selbst auch schon Anfälle bei anderen mitbekommen und weiß genau, was du meinst. Das ist einfach gruselig. Nun scheint er ja nicht häufig Anfälle zu haben. In dem Fall Fluch und Segen: Einerseits wirst du nicht häufig mit der Situation konfrontiert, andererseits kannst du dich dann auch nicht daran "gewöhnen".
Was helfen kann, ist, wenn du eine Routine abspulst, d.h.: Wenn es zum Anfall kommt, gehst du immer wieder die gleichen Schritte durch. Z. B. Gefahrenquellen beseitigen, auf die Uhr schauen, um Dauer des Anfalls zu messen, nach Ende des Krampfens was zu trinken bringen, sowas. Dann bist du damit beschäftigt und denkst nicht wirklich über das nach, was gerade passiert. Plus du hilfst deinem Partner, indem er/ihr den Überblick habt, falls sich etwas in der Länge der Anfälle verändert. Und wenn alles rum ist, nimm ihn einfach in den Arm, red mit ihm (vollkommen egal was), gib ihm das Gefühl von Sicherheit. Dann wird er sich entspannen und du dich ebenso. Ihr findet dann sozusagen gemeinsam in den "Normalzustand" zurück und ich denke, das kann dir helfen. Besonders wenn die Anfälle nachts sind. Selbst habe ich nur tagsüber Anfälle, aber wenn ich da schon so desorientiert bin, ist es nachts wahrscheinlich noch schlimmer.
Ich weiß natürlich nicht, wie es bei deinem Partner ist, aber vermutlich wird er nach so einem Anfall auch erschöpft sein und schlafen. Dann findet die Situation sozusagen einen Abschluss.

Was deine Empfindlichkeit für nächtliche Geräusche oder Ähnliches angeht: Da weiß ich leider nicht weiter, aber würde einfach mal davon ausgehen, dass sich das wieder von alleine legt, wenn dein Kopf merkt, dass nicht jede Bewegung/jedes Geräusch=Anfall(sbote) ist.

Ich hoffe, dir ein bisschen weitergeholfen zu haben.

Liebe Grüße und alles Gute!

Johannes


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