Die Anfälle unserer kleinen Tochter kennen kein Muster

 

 

Im Alter von 10 Monaten hatte unsere Tochter (25 Monate) ihren ersten sog. Grand-mal-Anfall, der nach der Gabe von 5mg Diazapam durch den Notarzt aufhörte. 2 Monate später krampfte sie wieder, dieses mal sprach sie auf das Valium, mit dem wir ausgestattet waren, gar nicht erst an. Wieder Notarzt, Dauer des Anfalls: 55 Minuten. Uns wurde dringend eine Therapie mit Valproat (Ergenyl, später Orfiril) empfohlen. Schweren Herzens willigte ich ein, was ich heute sehr bereue.

Weitere 2 Monate später der dritte Anfall (kurz zuvor begann ich mit der Therapie) und ab da kamen die Anfälle alle 8 - 10 Tage. Fast alle mußten mit Chloralhydrat und/oder Diazepam unterbrochen werden. Da es zu schweren Wesensveränderungen kam, und unsere Maus auch einfach nicht Laufen lernen wollte, bestand ich nach ca 5 Monaten darauf, die Therapie zu unterbrechen, um zu beobachten, wie sie ohne Medikament reagiert.

Sie veränderte sich vom Wesen her innerhalb einer Woche wieder weg von dem mürrischen, ängstlichen Etwas zu unserer knuddeligen, fröhlichen Maus. Auch die Angst vor dem freien Stehen und Gehen war verschwunden. Die Anfälle kamen noch etwas häufiger, aber sie hörten zumindest von alleine auf. Die Anfälle kamen fast täglich.

Ein Wünschelrutengänger stellte fest, daß ihr Bettchen auf einer Kreuzung von einer Wasserader mit drei Magnetfeld-Doppelzonen stand. Wir stellten das Bettchen um und hatten Anfallspausen von 5 bis 7 Tagen. Aber dann kam ein sehr schwerer Anfall, der sie per Rettungshubschrauber in die Klinik brachte.

Neuer Therapieversuch mit Brom. Sie verträgt es sehr gut, wirkt ausgeglichener und die Anfallspausen liegen bei 14 - 16 Tage. Das ist schon viel für uns. Aber: Scheinbar werden kleine Anfälle unterdrückt, die verbleibenden führen direkt zur Intensivbetreuung. An ihrem zweiten Geburtstag erlitt sie einen so schrecklichen Anfall, daß sie fast ihr Leben verlor.

Kombinationsversuch mit Luminal seit dem letzten Anfall vor 2 Wochen. Sie schläft mehr und schwankt beim Gehen sehr stark.

Soweit zur Schulmedizin, von der ich gründlich die Nase voll habe. Unzählige EEG's, eine CT und eine Kernspintomographie blieben ohne Befund.

Um was handelt es sich? Frühkindliche Grand-Mal-Epilepsie oder auf Deutsch: Keine Ahnung. Die Anfälle kennen kein Muster. Zu jeder Tageszeit, Dauer von 30 Sekunden bis zu 3 Stunden. Mal beidseitig krampfend, mal nur rechts- oder linksseitig, mal ist der Körper schlaff. Oder einseitig beginnend, beidseitig werdend, oder auch umgekehrt.

Aber wer, wenn nicht die Schulmediziner, denn sonst? Epilepsie ist ein heikles Thema, an das sich alternativ arbeitende Mediziner kaum herantrauen.

Die Uniklinik Tübingen behandelt uns mittlerweile sehr freundlich und nimmt uns ernst und wir wissen zumindest, daß sie keinen Tumor hat.

Die antroposophisch orientierte Filderklinik ist die Klinik meines Vertrauens. Homöopathische Mittel werden therapieunterstützend eingesetzt. Aber auch hier probiert man nur aus.

Der erste Heilpraktiker machten aus seiner Unwissenheit keinen Hehl, zeigte mir sämtliche Literatur, die er zusammengestellt hatte und nannte mir zumindest eine etwas andere Perspektive von Behandlungsmöglichkeiten.

Der Bio-Energetiker "pendelte", daß das Orfiril mehr belastend als nützend wäre - er hatte Recht, aber es kam kein Durchbruch.

Der Bio-Geologe (Wünschelrutengänger) verhalf auch nur zu einem Teilerfolg. Oder positiv betrachtet bildete er ein weiteres kleines Element in dem großen Puzzle.

Die Laser-Akupunktur brachte nach 2 Sitzungen eine Symptom-Verstärkung, 4 Anfälle in einer Zeit, in der wir sonst Pause hatten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nahmen wir die Therapie wieder auf, aber nach weiteren 2 Sitzungen hatte sie wieder einen schweren Anfall mit anschließendem Rettungshubschrauberflug. Dennoch Teilerfolg, weil wir 3 Wochen (!) Pause erreichten, aber ich muß zur Laser-Akupunktur 90 Minuten anfahren und spätestens nach einer halben Stunde fängt meine Tochter im Auto an zu schreien und sich zu wehren, denn sie hat mittlerweile sehr viel Angst vor Ärzten. Schade, ich glaube das würde sehr helfen.

Ich kämpfe wie eine Löwin gegen die Krankheit und klopfe alles ab. - Lebensmittelunverträglichkeiten? Die Epilepsie einer Bekannten stellte sich als Allergie gegen Nüsse heraus, seitdem hat sie keinen Anfall mehr. - Nährstoffmangel? Ich selbst litt ca. 20 Jahre unter Migräne bis ich herausfand, daß Traubensaft (oder sonst irgendein roter Saft) hilft, wo alle Medikamente versagen. - Mondphasen? Die ersten drei Anfälle kamen in der Tat je 3 - 4 Tage vor Vollmond.

Vor 3 Wochen besuchte ich einen Heilpraktiker und geistigem Heiler. Er brachte mir bei, daß ich die Ursache für die Krankheit woanders suchen muß. Oft käme Epilepsie aus dem Umfeld, sagt er. Hat die Krankheit mit mir zu tun? Ist sie eine Aufgabe für meine Tochter und mich (und meine Familie)? Noch vor 1 1/2 Jahren hätte ich darüber gelacht.

Noch immer bin ich hauptsächlich zur Therapie in der Filderklinik mit ihr. Aber parallel werde ich neue Wege gehen. Wenn dieser Heiler nichts bewirken kann, befindet er sich zumindest in guter Gesellschaft. Vielleicht hilft ja der nächste.