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Sprachstörungen / Verständnisstörungen bei Epilepsie

Niiina, Sonntag, 15. März 2020, 22:43 (vor 24 Tagen)

Hallo Leute,

vor 4 Jahren wurde bei mir Epilepsie diagnostiziert. Auslöser ist evtl. eine Gefäßmissbildung.
Ich habe Grandmal-Anfälle und kleinere Anfälle.

Außerdem Sprach-/ und Verständnisstörungen welche mit der Zeit auch immer intensiver werden. Kein Medikament hat bisher geholfen.

Diese äußern sich ungefähr so:

Ich habe ein seltsames Gefühl, als wäre alles auf einmal ganz weit weg und verstehe gesprochenes, auch bei Fernsehen/Radio, überhaupt nicht mehr.
Als wäre es eine fremde Sprache.
Ich weiß nicht mehr was die Wörter bedeuten und kann auch geschriebenes nicht verstehen.
Ich höre zwar das jemand mit mir spricht, kann es aber nicht „verwerten“.
In diesen Situationen bin ich kaum fähig mich zu äußern.

Diese Sprach- und Verständnisstörungen äußern sich verschieden stark.
Manchmal kann ich zwar verstehen, aber nicht sprechen sowie umgekehrt.
Meistens funktioniert dann aber beides nicht.
Das passiert auch mitten im Gespräch / mitten im Satz.
Nach außen hin sind die Sprachstörungen nicht sichtbar und das Umfeld bekommt davon (meistens) nichts mit.

Manchmal dauert ein solcher Aussetzer wenige Sekunden und manchmal ziehen sie sich über mehrere Minuten oder auch Stunden, wo sie immer wieder Phasenweise kurz nacheinander auftreten.

Mit der Zeit wurden sie immer stärker und intensiver. Inzwischen treten sie fast jeden Tag auf und erschweren mir meinen Alltag und meinen Job.

Ein Auslöser ist nicht bekannt da es in völlig unterschiedlichen Situationen auftritt..

Die Hoffnung, das es nur eine Nebenwirkung vom Zonisamid ist, hat sich leider nicht bewahrheitet.
Auch nach etlichen Medikamentenwechseln hat sich nichts verändert - im Gegenteil:
Die Sprachstörungen werden immer stärker und die Grand-Mal-Anfälle sind auch nach wie vor unverändert vorhanden.
Der Neurologe bezeichnet die Sprachstörungen als „anfallsartig“, jedoch sind auch während der Sprachstörungen keine Ausschläge im EEG zu sehen.
Die Ärzte sind immer total überfragt und haben sowas noch nie gehört..

Aktuell nehme ich Vimpat mit insgesamt 550 mg / Tag.

Vielleicht hat jemand ebenfalls dieses Problem oder eine Idee wo das herkommen könnte??

Liebe Grüße

Sprachstörungen / Verständnisstörungen bei Epilepsie

Lilli, Montag, 16. März 2020, 07:03 (vor 24 Tagen) @ Niiina

Hallo,

beim lesen kommt mir eine gewisse Vertrautheit entgegen. Ich kenne das auch und bin erstaunt, dass es anderen auch so ergeht/ergehen kann. Bei mir ist das aber dissoziativbedingt.

Ich mag Dir einfach nur da lassen, dass Du damit nicht allein bist und ich hoffe, dass Du hier gute Tipps/Ideen bekommst und ansonsten würde ich das mal mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Liebe Grüße,
Lilli

--
Wie und was sich auch immer gerade in Deinem Leben zeigt:
Sei lieb zu Dir.

Sprachstörungen / Verständnisstörungen bei Epilepsie

mezeg, München, Montag, 16. März 2020, 10:28 (vor 23 Tagen) @ Niiina

bei mir kommt es wohl von der OP 2010 an einem links-temporal Meningeom, an der Sprachstelle nah angelegt.

Ich wußte vorher über diese mögliche Komplikation ausdrücklich informiert. Als ich nach der OP ich langsam an die Oberfläche kam, habe ich realisiert, daß ich mit der Krankenschwester wohl deutsch gesprochen hatte. Habe dann für mich französisch gesprochen. Auch o.k. In der Früh war der Krankenpfleger Italiener, dann habe ich italienisch versucht. Auch das o.k.

Dann für mich etwas englisch gesprochen. Ich lese Bücher in englisch ohne Wörterbuch, beim Reden allerdings...

Beim ersten Versuch vom Chef-Arzt, fragte er nach der Sprache. Mein Chirurg sichtlich stolz sagte: "Die Patientin spricht fünf Sprachen" - falsch, nur vier. :-D :-D

Dann fragte der Oberarzt, ob ich linkshändlerin sei... Eigentlich nicht, aber einzelne Bewegungen schon.

Später hatte ich Schwierigheit beim Lesen, ich konnte das gerade gelesene mir nicht merken, mußte den Absatz wieder vom Anfang ran nehmen. Nicht immer erfolgreich.

Bei Verstehen/Reden manchmal ähnlich Schwierigkeit: Wird zu viel, zu schnell gesprochen, verstehe ich oft nur bis zu einer gewißen Stelle. Der "Vorraum" hat wohl nur eine begrenzte Kapazität.

Bei Reden bleibe ich manchmal in einem Satz stecken: Die Wörter finde ich nicht, manchmal nur verwirrt, wie durch Nebel. Vielleicht habe ich dabei Unsinn gesprochen, ich weiß nicht was.

Als ich nach einem Anfall ins Krankenhaus gefahren wurde, sagte der Sani dem Pfleger mein Fahrrad sei an der Stelle fest gekettet. Das habe ich verstanden.

Der nette Pfleger fragte nach Vornamen, Nachnamen, Geburtsdatum, was ich sofort korrekt angab.

Dann führte er mich auf der Trage zu einem Untersuchungszimmer mit einer netten Ärztin. Erst dann habe ich realisiert, daß er Franzose ist / spricht und ich die Ärztin nicht verstand. Er hat als Dolmetscher fungiert.

Nach einer Weile habe ich angefangen, die Ärztin zu verstehen, konnte aber nicht in Deutsch antworten, der Pfleger hat meine Antworte weiterhin übersetzt. Dann ging es in Deutsch wieder.

So kraß war es nach diesem Anfall nicht mehr. In einer Streß-Situation aber schon etwas. Nebel, verzweilfelten Versuch etwas korrekt auszusprechen. Ich "fühle" den Satz, kann es nicht in Worten denken / reden.

Habe mich dran gewöhnt. Nahe Bekannten wissen davon und warten gelassen, bis ich wieder rede. Manchmal ahnen sie, was ich eigentlich sagen will.

Und sonst kann ich mich mit der Sprachvielfalt rausmogeln... :-D :-D

mezeg

P.S. meine Tochter sagt oft, ich höre schlecht und sollte mir ein Öhrgerät anschaffen. Daß sie sehr schnell und vom einem Thema zu einem anderen vollkommen unerwartet springt, meine ich nicht als Einzige...

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