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Babywunsch mit schlechtem Gewissen

Steffi1208, Montag, 25. November 2019, 13:36 (vor 94 Tagen)

Hallo Leute,

ich versuche es kurz zu machen: Ich habe einfach-fokale Anfälle. Einmal im Monat merke ich schon morgens, dass der Tag nicht gut wird. Die Auren fühlen sich so an, als ob ich eine Ohrfeige bekomme, die mich für ein paar Sekunden aus dem Leben reißt. Mein Bauch kribbelt auch etwas, aber dann ist es wieder okay. Das wiederholt sich dann über den Tag verteilt und wird immer stärker. Irgendwann habe ich dann den Anfall (verharre in der Bewegung, kann nicht sprechen, starre nur vor mich hin - dauert vielleicht eine halbe Minute) und danach geht es mir meistens besser. Also die Auren sind dann weg, mein Hirn fühlt sich halt nur ein bisschen "erschöpft" an (ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. Ist halt ein Gefühl, aber ich denke, dass ist hier ja bekannt.)

Demnach kann ich mit der Epilepsie eigentlich ganz gut leben. Es hat sich innerhalb der vergangenen Jahre jedenfalls stark verbessert (hatte zu Beginn Grand Mal). Nur mit dem Job ist es schwierig, weil ich mich nicht so gut konzentrieren und nicht zwei Sachen gleichzeitig machen kann. Ich habe Neuropsychologische Tests gemacht, die das ergeben haben und man will mich wieder zur Reha schicken. Allerdings habe ich die Empfindung, dass das außerhalb meines Hauses schlimmer ist, als in meinen eigenen vier Wänden, wo ich mich wohl fühle. Soviel zu meinen derzeitigen Umständen, jetzt zu meinem Problem:

Mein Mann und ich haben einen Kinderwunsch. Natürlich habe ich mich informiert, inwieweit die Krankheit vererbt wird bzw. die Bereitschaft, die Krankheit zu bekommen. Meine Mutter hat auch Epilepsie (wenn auch durch eine heftige Gehirnerschütterung) und mein Onkel väterlicherseits auch. Dennoch empfinde ich mein Leben nicht so schlecht, dass ich es niemandem wünschen würde und die prozentuelle Rate des Risikos liegt im einstelligen Bereich (mein Mann hat keine Epileptiker in der Familie). Aber ich habe Angst, dass ich mich an solchen schlechten Tagen nicht um mein Kind kümmern kann. Es wäre schön, wenn ihr mir Erfahrungsberichte oder Tipps geben könntet. Ich habe auch von einer Stelle gehört, die Epileptikern in solchen Fällen unterstützt. Wisst ihr da was?

Liebe Grüße und einen angenehmen Start in die Woche,

Steffi

Babywunsch mit schlechtem Gewissen

mathilda @, Dienstag, 26. November 2019, 17:52 (vor 93 Tagen) @ Steffi1208

Hallo Steffi,

erstmal musst du dir darüber klar sein, ob du gerne ein Baby mit deinem Mann haben möchtest oder ob dich vielleicht die Angst, es nicht zu schaffen, davon abhält.

Von deinem Beitrag her hast du ja nicht viele Anfälle (einmal im Monat) und diesen Tag merkst du Auren und du bist ein bisschen daneben. So habe ich es verstanden.

Ich bin froh, einen Sohn zu haben und trotz meiner Epilepsie und den Anfällen hat alles sehr gut geklappt. Mein Mann hatte mich prima unterstützt, er ist ebenso nachts aufgestanden oder wenn es ganz schlimm war mit mir, konnte er auch mal einen Tag spontan frei nehmen. Der Chef hatte Verständnis für die Situation, man muss nur reden.

Später im Kindergartenalter lernt man andere Mütter kennen, die sicherlich auch mal dein Kind nachmittags mitnehmen können und das auch machen, weil sie Verständnis haben.

Das alles kam nur selten bei mir vor. Ich habe mich immer darauf verlassen, dass alles gut läuft. Ich habe ihn auf den Fußboden gewickelt und sonst war alles normal.
So krass, wie im anderen Beitrag von holly es schreibt, war es ganz bestimmt nicht. Natürlich konnte ich ihn normal tragen und mit ihm spielen und raus gehen.

Auch unsere Ehe ist nicht zu Bruch gegangen. Warum auch? Wir wollten beide Eltern werden und da übernimmt man Verantwortung.

Mein Sohn hat von klein auf meine Anfälle mitbekommen. Er wusste, wenn ich mal wieder Gewitter im Kopf hatte, ging es mir nicht gut, konnte nicht so viel Aufmerksamkeit schenken und musste mich ausruhen.
Er hat es gespürt und war automatisch ruhiger. Später hat mein Mann ihm beigebracht, das Telefon zu bedienen, falls was passieren würde.
War nie nötig.

Also, ich würde dir bestimmt nicht davon abraten, sondern habe Vertrauen. Man wächst in alles hinein und der Weg ist dann doch nicht so schwer, wie man es sich vielleicht vorgestellt hat.

Was deine Schwiegereltern sagen, hört sich nicht nett an. Anstatt zu unterstützen?

LG

Babywunsch mit schlechtem Gewissen

Steffi1208, Montag, 16. Dezember 2019, 09:50 (vor 73 Tagen) @ mathilda

Hallo Mathilda,

oh je... ich habe jetzt gerade erst den Forumsbeitrag von Holy fertig gelesen. So schwarz wie sie sehe ich nicht. Vonwegen dass ich mein Kind nicht sehen dürfte und mein Mann mich hasserfüllt verlassen wird.

Ich will es halt nur GUT machen und hatte gehofft, dass ich hier eine behördliche Stelle oder andere Organisationen rausfinde, die mir an schlechten Tagen (die ca. 1 Mal im Monat vorkommen) ein bisschen unter die Arme greifen können. Das hat ja auch geklappt und dein Beitrag hat mir zusätzlich Mut gemacht.

Ich hätte schon gerne ein Baby, aber dadurch dass ich nicht sehr mutig und selbstbewusst bin, kommen da immer wieder Zweifel, die mir sagen "du schaffst das nicht". Mein Mann ist da das vollkommene Gegenstück von mir. Für den bestehen keine Zweifel, dass wir es schaffen werden. So ist das in fast jedem Punkt unseres Lebens :) Er meint auch, dass ich es mein Leben lang bereuen würde, wenn ich aus Furcht (so direkt hat er es nicht ausgedrückt) auf ein Kind verzichte. Weil etwas passieren KÖNNTE. Und ich denke, er hat damit Recht, denn eine eigene Familie wäre schon etwas sehr zauberhaftes für mich als Familienmensch. Mit den richtigen Vorkehrungen und den Tipps, die epilepsiekranke Mütter mir geben können, wird das schon funktionieren.

Meine Schwiegerfamilie ist sehr anstrengend und der ein oder andere Anfall gehen auch auf deren Kosten (bin ich mir fast sicher). Sie streiten sich untereinander viel (Schwiegermama, Schwägerin, die beiden Schwager) und versuchen immer, jemanden mit hineinzuziehen. Ich wäre gerne wieder in meinem Heimatdorf, weil meine Eltern mich garantiert unterstützen würden, wenn ich ein Baby bekommen sollte. Aber die Familie von meinem Mann lebt auch dort und ich kriege jetzt schon Stress, wenn ich mir vorstelle, dass die vor unserer Tür stehen und mir wieder ihr Leid klagen oder sonst was :( Ich will nicht sagen, dass die alle komplett bösartig sind, größtenteils verstehe ich mich mit ihnen. Aber sie sind eben anstrengend und urteilen sehr schnell.

Naja, genug beschwert ;) Danke für die aufbauenden Worte und einen schönen Start in die Woche!

LG

Steffi

Babywunsch mit schlechtem Gewissen

thomas ⌂ @, Donnerstag, 28. November 2019, 17:26 (vor 91 Tagen) @ Steffi1208

Hallo Steffi1208,

ich habe deinen Beitrag 2 x gelesen. Ich kann nur ermutigen sich weiter beraten zu lassen und zu informieren. Und die Entscheidung trägst Du. Deiner Partner soll Dich unterstützen.

Hier eine wichtige und aktuelle Link-Seite mit den wichtigsten Hinweisen aus meiner Sicht:

Familienplanung/Schwangerschaft/Epilepsie der BZgA

Und von einer Bundesbehörde.

Gruss Thomas und auch Vater
von der Redaktion

Babywunsch mit schlechtem Gewissen

Steffi1208, Montag, 16. Dezember 2019, 09:20 (vor 73 Tagen) @ thomas

Vielen, vielen Dank. Die Internetseite ist genau das, was ich gesucht habe :)

Babywunsch mit schlechtem Gewissen

Lilli, Freitag, 20. Dezember 2019, 13:53 (vor 69 Tagen) @ Steffi1208

Hallo Steffi,

es ist schön zu lesen, dass es Dir mit der Epilepsie inzwischen besser geht. Die Tage, an denen es einem nicht gut geht, sich die Auren bis zu den Anfällen über den Tag ziehen, kenne ich auch sehr gut und man muss für sich gute Wege finden, um mit diesen „Zwischenzuständen gut umgehen zu können, sodass sie einen nicht immer gleich umhauen und einen komplett „lahm“ legen.

Ich selbst habe zwar keine Kinder, aber ich kann durchaus dieses „schlechte Gewissen“ gegenüber Deinem Kind und dem generellen Wunsch nach einem Kind trotz Epilepsie gut verstehen.

Ich finde aber, dass Du da gar keines Falles ein schlechtes Gewissen haben musst. Ein eigenes Kind ist doch etwas schönes und es gibt ja auch viel schlimmere Dinge, als mit einer Epilepsie leben zu müssen
Auch, wenn die Wahrscheinlichkeit durchaus besteht, dass Dein Kind eine Epilepsie haben KÖNNTE:

Dadurch, dass Du selbst eine Epilepsie hast, kannst Du Deinem Kind doch auch am besten helfen und Wege aufzeigen, wie ihr beide gut mit der Epilepsie leben könnt und Dein Kind ist/wäre ja auch nicht böse, WENN es denn an Epilepsie leiden würde. Es ist eben eine Krankheit die jeden treffen kann und eben auch eine, die vererbbar ist. Wenn man das dem Kind (natürlich kunstgerecht) erklärt, wird es das (früher oder später verstehen.

Ich wünsche Dir alles Gute und den Mut, die (für Dich) „richtige“ Entscheidung zu treffen.

Jeder Mensch (egal ob krank und/oder gesund) hat das Recht, wundervolles erleben/erfahren zu dürfen. :)

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