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Epilepsie und Psyche

Chaplin, Dienstag, 23. Juli 2019, 17:34 (vor 85 Tagen)

Hallo,

ich habe eine schwere Epilepsie und bekomme regelmäßig neben komplex-fokalen Anfällen noch sekundär generalisierte Anfälle. Bei den Grand Mals falle ich meist und verletze mich auch oft.
In der Epilepsieklinik gaben die Ärzte mir Topamax, was eine extreme psychische Störung (war psychotisch) verursacht hat. Ich lag 8 Wochen in der Psychiatrie und Topamax musste abgesetzt werden. Frei von Grand Mals war ich aber mit Topamax und Orfiril auch nicht.
Am Gehirn operiert bin ich bereits (Linkstemporal).

Ich wollte einfach mal fragen, ob jemand von euch schonmal psychische Auffälligkeiten wegen den Antiepileptika bekommen hat?
Leidet ihr unter psychischen Problemen?
Ich habe schonmal etwas zu dem Thema geschrieben, aber wollte mal gern sehen, was ihr mir berichtet.
Vielen Dank im Voraus.

Liebe Grüße

Epilepsie und Psyche

morti, Mittwoch, 24. Juli 2019, 21:51 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Hi Chaplin,

leider sind psychologische Nebenwirkungen nicht ganz auszuschließen. Die Medikation senkt das Leistungsvermögen. Lußtlosigkeit und Mißerfolge sind eine Folge, wodurch depressive Stimmungen ausgelöst werden können. Auch die Umkehrung ist möglich... Mißerfolge können auch ein aggressives Verhalten auslösen.

Bei mir wurden zusätzlich Leistungsverluste in der Feinmotorik und Konzentrationsausfälle verstärkt.

Du siehst, vieles ist möglich. Die Frage ist: "Wie gehe ich damit um?" Diese Lösung kann nur jeder für sich persönlich herausfinden. Das ist nicht ganz einfach und verlangt viel Ausdauer. Zu Beginn kannst du ja deine Stärken herausfinden und versuchen darauf aufzubauen einen neuen Weg zu gehen.

Es ist ein Lösungsansatz. Ich wünsch Dir viel Erfolg.

MfG Morti :)

Epilepsie und Psyche; Nachtrag

morti, Mittwoch, 24. Juli 2019, 22:06 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Nachtrag: Nicht nur die Medikation ist relevant. Genauso spielt die Disposition (momentane physische und psychische Verfassung) eine wichtige Rolle.

Die Psyche zu erfassen ist sehr schwer und aufwendig. Für dich ist es hier günstig mit eng vertrauten Personen zu sprechen und mit ihnen eine Brücke des Vestehens aufzubauen. Das kann länger dauern (hab mit einer Person über ein Jahr gebraucht). Mach's in kleinen Schritten. Es kann sich lohnen.

Viel Erfolg, Morti ;-)

Epilepsie und Psyche; Nachtrag

Chaplin, Donnerstag, 25. Juli 2019, 09:05 (vor 83 Tagen) @ morti

Hallo morti,

danke für Deine Antwort.
Naja, eigentlich ist man, wenn man psychotisch ist so verwirrt, dass es nicht zu übersehen ist. Leider haben die Ärzte so lange mit dem Absetzen von Topamax gewartet bis ich in der Psychiatrie gelandet bin.
Häufig fangen die psychotischen Symptome unauffällig mit Konzentrationsproblemen, Gereiztheit und verschiedenem an. Leider merkt man selbst das nicht und in meinem Fall der Arzt in der Epilepsieklinik auch nicht.

Liebe Grüße

Epilepsie und Psyche; Nachtrag

morti, Donnerstag, 25. Juli 2019, 23:24 (vor 82 Tagen) @ Chaplin

Hallo Chaplin,

deine Beschreibung scheint ein allgemeines Problem darzustellen. Sprich: "Wann ist es die Psyche und wann die Physis?" Meine persönliche Meinung ist: "Die Psyche ist nur eine Betrachtungserweiterung, welche die Physis als Grundvoraussetzung hat".

Konzentrationsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, ja selbst Kontrollverlußte, welche oft als psychologisches Problem betrachtet werden, haben oft einen physiologisch erklärbaren Ursprung. Die Forschung ist hier noch nicht abgeschlossen. Betroffene werden hier oft abgeschoben... Begründung: Schutz der eigenen Person und Dritter. Das mag teilweise zutreffend sein, hat aber auch etwas mit Personaleinsparungen zu tun... leider. Hier gibt es noch einen großen Nachholebedarf.

Was kann ich als Betroffener machen? Ich kann einen SBA mit den Merkzeichen G & B anstreben und wenn ich das B (ist optional) nicht nutzen sollte, Selbstverantwortung zu übernehmen. Das bedeutet dann aber auch, Haftung zu übernehmen.

So mache ich es für mich zumindest. Du kannst ja mal darüber nachdenken.

MfG Morti ;-)

Epilepsie und Psyche

riddick, Donnerstag, 25. Juli 2019, 03:33 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Ich habe Vimpat genommen und habe Ticks/ unkontrollierbare Muskelzuckungen ( am Ende fast durchgehend) bekommen, sah alles dreifach und wurde immer stärker benommen und verwirrt ( habe mich vor der Haustür verlaufen und hab trotz Navi nicht nachhause gefunden ).
Am Ende hab ich noch ein paar Halos gehabt und konnte nicht mehr sprechen. Hab es sofort abgesetzt und 2 Wochen einen Mega Entzug gehabt.
Hab Meinen Job und meine Band dadurch verloren, der Arzt wollte und hat mich auch nur 4 Wochen Krankgeschrieben und nicht länger :-/
Am Ende is man selbst der doofe und steht mit nix in der Hand da.
Meine alten Arbeitskollegen und ein paar bekannte und meine alte Band denken ich bin komplett durchgeknallt

Epilepsie und Psyche

Chaplin, Donnerstag, 25. Juli 2019, 09:00 (vor 83 Tagen) @ riddick

Hallo Riddick,

das tut mir leid. Ich hatte unter Topamax Haluzinationen, Wahnvorstellungen und seltsame Angstzustände. Obwohl ich schon lange psychisch krank bin (eigentlich Depression und Borderline), war das der schlimmste Zustand, den ich je hatte.
Ich nehme immernoch ein Neuroleptikum neben den Antiepileptika.

Wie geht es Dir zur Zeit?

Liebe Grüße

Epilepsie und Psyche

Pimkie17, Donnerstag, 25. Juli 2019, 09:36 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Hallo Chaplin,


darf ich fragen was du für ein Neuroepileptika du nimmst?

Noch eine zusätzliche Frage, die haben das Medikament in der Psychatrie ausgeschlichen, hab ich das Richtig verstanden?

Wieviel hast du davon genommen also Mg und wie lange?

Wurden deine Symptome die du Beschreibst nach dem Absetzen stärker?

Lg

Epilepsie und Psyche

Chaplin, Donnerstag, 25. Juli 2019, 13:07 (vor 83 Tagen) @ Pimkie17

Hallo,

ich hatte in der Psychiatrie Risperdal bekommen, aber das macht bei mir einen unheimlich hohen Prolaktinspiegel mit den entsprechenden Symptomen. Zu hause bei meinem Psychiater/Neurologen bekam ich Aripiprazol. Das erhöht den Prolaktinspiegel nicht so und man fühlt sich im Alltag fitter als mit vielen Neuroleptika, die so sedieren, um ehrlich zu sein.

Also das Theater mit den psychotischen Symptomen verschwand als Topamax abgesetzt war. Ich hatte Topamax in der Monotherapie am Anfang und bekam dann Orfiril und Topamax. Unter Topamax hatte ich 8 Wochen Übelkeit und Erbrechen. Ich habe in 8 Wochen 10kg abgenommen, bekam Infusionen und Zusatznahrung zeitweise. Diese seltsamen Angstzustände und Welt in der man lebt, war auch für mich eine neue Erfahrung, obwohl ich eigentlich ja auch eine psychische Behinderung schon immer habe.

Ja, ich wurde wegen der Heftigkeit der Symptome in der Psychiatrie medikamentös umgestellt. Die Ärzte in der Psychiatrie sind aber sehr unsicher im Umgang mit meiner Epilepsie gewesen und ich bekam in der Zeit "kiloweise" Tavor. Bei mir war noch das Problem, dass ich mit Monotherapien mit Antiepileptika sehr viele Grand Mals habe und nur noch verletzt bin. Deshalb nehme ich jetzt Lamotrigin, Vimpat und Fycompa. Seitdem ist mein Leben wieder "normaler" (weniger Grand Mals), aber ich muss so einiges verarbeiten.

Vor der Psychiatrie war ich noch im Monitoring im Epilepsiezentrum und hatte dort drei Grand Mals in ca. 10 Tagen. Nach einem heftigen Grand Mal und durch Topamax hatte ich ewig Ausfallerscheinungen, konnte keinen Busfahrplan und nichts mehr lesen.

Liebe Grüße

Epilepsie und Psyche

Pimkie17, Donnerstag, 25. Juli 2019, 18:55 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Hallo Chaplin,

Oh weh kann ich da nur sagen.

Ich glaube aber auch das ich da kein Maßstab bin, denn ich bin seit etwa 7 Monaten komplett Anti Psychopharmaka.
Allerdings eine Ausnahme: Bei Epilepsie, ich selbst nehme dagegen LAMOTRIGIN.


Wie hast du das Risperdal abgesetzt?

Nimmst du noch Aripiprazol oder hast du das auch Abgesetzt und wie?

Hast du vor der Psychatrie noch irgendein Antidepressiva oder dergleichen genommen was nicht für die Epilepsie bestimmt war?

Epilepsie und Psyche

Chaplin, Donnerstag, 25. Juli 2019, 22:36 (vor 82 Tagen) @ Pimkie17

Hallo,

Antidepressiva nehme ich keine. Die haben bei mir nie gewirkt. Ich nehme nur Antiepileptika und ein Neuroleptikum. Ich habe in Absprache mit dem Neurologen Risperdal abgesetzt und Aripiprazol eindosiert.

Liebe Grüße

Epilepsie und Psyche

Pimkie17, Donnerstag, 25. Juli 2019, 23:08 (vor 82 Tagen) @ Chaplin

Aber wie hast du das Risperdal abgesetzt?

Epilepsie und Psyche

Chaplin, Donnerstag, 25. Juli 2019, 13:40 (vor 83 Tagen) @ Pimkie17

Hallo Pimkie,

was ich vergessen habe. Die Dosis von Topamax war in der Monotherapie glaube ich 300mg tgl. und in der Kombi mit Orfiril bekam ich nur 150mg tgl. Topamax.
Das hat aber gereicht für solche Nebenwirkungen und frei von den heftigen Anfällen war ich damit auch nicht. Ich nehme seit 30 Jahren Antiepileptika und habe schon fast alle durch. Trotzdem habe ich so etwas noch nicht erlebt wegen einem Medikament.

Viele Grüße

Epilepsie und Psyche

riddick, Donnerstag, 25. Juli 2019, 12:54 (vor 83 Tagen) @ Chaplin

Hi, danke der Nachfrage. Mir geht es momentan erstaunlich gut für alles.Ich habe mich aber auch auf eigene Faust aussteuern lassen und mach erstmal 1 Jahr Pause, Gesunde Ernährung, viel Schlaf und Sport. Das kann ich aber auch nur dank meiner Frau machen.
Ich werd demnächst mal beim Amt nachhaken, das reha Team wollt mir nen job beschaffen aber da meldet sich irgendwie keiner.

Epilepsie und Psyche

hypercarry, Dienstag, 24. September 2019, 01:18 (vor 22 Tagen) @ riddick

weiss nicht, ob sich das mit deinen "Interessen" deckt, aber ich bin pharmakoresistenter epileptiker und fang jetzt im oktober ne ausbildung zum zytologen an, kannst du trotz anfällen ausüben und das beste (hab ich erst während dem praktikum gecheckt...) es gibt sowenig ausgebildete zytologen, dass es egal wo du anfängst np serin sollte in den tagen nach nem anfall von daheim aus zu arbeiten. (übernahmequote von 100% deutschlandweit btw auch...)

und warte nicht darauf , dass irgendwer zu dir kommt um dir zu helfen, je schneller du dieses phantom loswirst desto besser^^

ich hoff ich verwechsel grad niemand, aber als dein arzt dein (wirkungsloses) antikonvulsiva erst abgesetzt hat als du total psychotisch warst, das ist die"hilfe" die du als epileptiker in deutschland bekommst, genau so sieht die "hilfe" aus die sie dir gnädigerweise gewähren werden

mittlerweile halte ich die deutsche ärzteschaft für den abschaum der menschheit...

ABER unabhängig davon, ob es was bringt oder nicht geh brav weiter zum arzt (die "gesunden" erwarten das von dir, und es ist nicht verhandelbar, egal wie lang und genau du es ihnen erklären würdest sie KÖNNEN es nicht verstehen weil "schwer krank" = "muss zum arzt" UND ob du deine Pillen nimmst, oder ins Klo wirfst musst du ja niemand sagen (serumkontrollen kannst du "bescheissem" inden du dir ein medi aussuchst ,das nicht ewig aufdosiert werden muss, sondern ne halbe stunde nach einnahme den gewünschten spiegel hat (aussuchen = funktioniert über "unverträglichkeit", durch direktes nachfragen nach einem medi hab ich noch NIE eins bekommen, aber durch erfundene unverträglichkeiten und nws lässt sich jeder arzt steuern...bin mittlerweile sowohl NICHT deppressiv diagnostiziert + ich hab adhs =) , am abend oder nur am morgen davor pillen einwerfen = passender blutserumspiegel, gegen deinen Willen darfst du auch net operiert werden.)

mediatation, achtsamkeit und autogenes training können auch "gut" sein, und jetzt kommt der wichtigste ratschlag, das oben ist das "gute-wetter-programm"

es werden aber auch wieder schlimme tage kommen, dein letzter anfall war wahrscheinlich nicht dein letzter anfall (so sehr ich dir das auch wünschen würde^^)

worauf ich hinauswill: ALLE antiepileptika die ich bisher genommen hab hatten nws, die jeden lsd horrortrip wie kinderfasching erscheinen lassen UND das absetzen topt jeden drogenentzug(glaube ich mittlerweile, gott sei dank habe ich was opis angeht kaum erfahrungen sammeln müssen...)

aber es gibt da was, was dir die selbstgerechten rezeptblockwächter in weiß nicht erzählen werden. in amerika ist (bei pharmakoresistenter epilepsie die gabe von clonazepan standard)
was die toleranzentwicklung angeht habe ich im netz unterschiedliche angaben gefunden. und auch wenn hier sicher gleich alle rumplärren, weil ich dir empfehle auf eigene faust benzos zu besorgen und im fall der fälle bereit zu sein sie auch zu benutzen.
Erst als ich mich bewusst zur selbstmedikation entschieden hab und alle ärztlich verordneten antikonvulsiva abgesetzt hab geht es bergauf, jeden tag ein kleines bischen =)(von 100 auf 0 btw, wollt wissen was das clona kann)

und mittlerweile nehme ich clonazepan seit über 6 monaten in der selben dosierung, anfallfrei bin ich genauso lange schon (hatte davor mit normalen antikonvulsiva 2 anfälle in einer woche, schulter zum 2mal gebrochen, scheint gott sei dank "gerade" zusammen zu wachsen, hab meine entscheidung ,dass ich nicht operiert werden will unzählige male verteidigen müssen, freunde ,familie, und die drecks weisskittel.

zieh dein ding durch^^ alleine schaffst dus eher als mit ärztlicher "hilfe" (vergiss NIEMALS dass in deutschland schon einmal versucht wurde den familien behinderter zu "helfen", endgeholfen oder so ähnlich...falls du fragen hast kannst mir gern schreiben nossol.stephan@gmx.de ich flieg hier immer in unter einer woche raus =)

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