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spätes Erkenntnis

mezeg, München, Sonntag, 17. Februar 2019, 11:33 (vor 94 Tagen)

Epileptisch bin ich trotz hohes Alter erst seit kurzem. Bekannte auch langjährige fragen immer "wie es mir geht" und nach Details. Wie Gaffer. Ich fühle mich wie nur durch die Epilepsie wahrgenommen und ziehe mich immer mehr zurück.

Eine Freundin aus der Radlergruppe hatte mich immer zu ihrer Geburtstagfeier eingeladen, ihr Freund fragte mich bei aller Gelegeheit aus. Und weitere auch. Er meinte es gut, es war mir aber sehr belastend.

Ich habe mich dann immer ausgeredet. Kleine Kontakte hatten wir immerhin weiter.
Kurz vor Weihnachten ruft er mich an, natürlich mit der üblichen Frage, aber auch an meine Aktivitäten interessiert.

Vor kurzem habe ich beide nach einen Rat für ein Reise-Büro angemailt, sie waren schon damit gefahren. Natürlich sofort Antwort per Mail und dabei bei der Gelegenheit gefragt, ob ich zur Geburtstagfeier komme. Habe zugesagt.

Beide waren natürlich zu Begrüßung an der Tür. Fröhlich, freundlich. Er hat natürlich seine übliche Frage gestellt, ich habe es diesmal nicht negativ aufgefaßt, er kümmert sich doch um mein Wohlbefinden.

Und so lief der Abend. Viele, die mich direkt kannten oder vom "Dritten" es erfahren hatten, fragten schon nach meinem Befinden. Aber ohne diese "Neugier", die mich früher so verletzt hatte. Weil ich es noch nicht aktzepieren wollte oder weil sie von Epilepsie nicht genaues wußten und es besser wissen möchten. Oder beide.

Und es war für mich kein Problem mehr. Viele kannte ich von solchen Geburtstagsfeiern oder von der Radlergruppe, es kamm zu vielen Gesprächen allerlei Interesse.

Als ich mich irgendwo hinsetzte, war es zufällig zwischen zwei aus der Radlergruppe. Die eine hat mit mir über ihre ganze Prozedur gegen ein Brustkrebs und ihre latente Angst, daß es wieder kommt.

Die andere wurde zu uns geleitet. Sie ist vom Geburt aus blind, radelte auf Tandem, ihr gewohnte Pilot "ist aber nicht mehr da", es ist sehr schwierig jemanden zu finden. Also kein Radeln bis auf weiteres.

Ich habe sie zur Toilette geführt, und dann uns beide am Büffet - miam! - einen exquisiten süßen Teller komponiert.

Es war ein sehr schöner Abend. Und zwichen einer Krebskranken und einer Blinden fröhlich distukierend, habe ich gedacht: "Warum soll ich grübeln? Ich muß nur die Medikamenten ordnungsgemäß nehmen und starkem Psycho-Stress aus dem Weg gehen. Noch mögliche Anfälle sind selten und den echten Freunde geht es nur um meinem Wohl!"

mezeg

P.S. nur zu bedauern: einen zweiten Süßen Teller hätte ich doch komponiert sollen. ;-) ;-) ;-)

spätes Erkenntnis

Green @, Sonntag, 17. Februar 2019, 12:29 (vor 94 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg


Hm bei solchen Fragen frag ich oft zurück und wie geht's Dir?
Und ich sag es gibt doch noch andere Themen...das haben wir jetzt
ab gearbeitet.
Wir können uns gern ein anderes mal treffen um darüber zureden.
Und dann wird es oft Still.

Ich bin ja mehr wie meine Epilepsie und den Rest dazu.

Schön zulesen das du deinen Frieden damit gefunden hast.

lg Green

spätes Erkenntnis

mathilda @, Sonntag, 17. Februar 2019, 19:55 (vor 94 Tagen) @ mezeg

Hi mezeg,

hört sich doch schön an, wie du nun damit umgehen kannst und weißt, worauf du achten musst.
Und meinst du, wenn man dich fragt: "wie geht's dir" es immer auf die Epilepsie bezogen ist?
Normal fragt man ja, wie es geht und zurück sagt man: gut, und dir?

Ich selber wünsche mir manchmal, dass meine Leute um mich rum mehr Interesse an meiner Krankheit hätten. Mal fragen, wie es ist, ob mal wieder was war oder sonstwas. Wenn ich evtl in dem Moment nicht drüber reden möchte, kann ich immer noch sagen: jetzt nicht bitte.

LG

Danke an Euch beiden!

mezeg, München, Montag, 18. Februar 2019, 11:07 (vor 93 Tagen) @ mezeg

tut ganz gut von Euch zu lesen, daß ich nicht vollkommen Waschlappen* bin und Ermutigung zum "normalen" Sozialen Verhalten.

Mein Problem ist aber nicht mit Leuten, die nichts davon wissen. Läßt sich dann immer einen plausiblen Grund finden, sollte ich mich sichtbar nicht so gut geht: schlecht geschlafen, Wetter, vergessen etwas zu kaufen, etc. Kein Grund es zu erwähnen.

Es gibt wirklich welche, die es direkt oder über Dritten erfahren haben. Bei denen geht es nicht um eine einfache Antwort, sie WOLLEN es wissen!
Das Sprachzentrum hat wohl etwas abgekommen, ich bleibe manchmal stecken, kann das Wort, den Satz, nicht ausprechen, nicht einmal denken. Alles konfus. Ich jongliere schon mit vier Sprachen: Muttersprache, Deutsch und zwei weiteren. Vielleicht finde ich das Word in der "falschen" Sprache oder sage etwas, daß keine Sinn hat und ich weiß nicht einmal, was ich gesagt / gedacht habe. Wenn die Leute meine gewöhnlichen "Sprachfluß" kenne, rede ich mich danach als Ausländerin daraus.

Die anderen merken es.

Unter anderen eine Schwester, die mich argwöhnisch beobachtet. Ihr erzähle ich allerlei Lustiges, Aufregendes, Kulturelles, Kontakte - habe sowieso etliches brauchbares... :-D :-D :-D. Lasse nicht auf das Thema kommen. Es ist aber anstregend.


Mit wenigen habe ich von mir aus darüber gesprochen. Zum Beispiel im Sprachkurs. Wir sind eine kleine Bande fröhlicher - nicht so junger Frauen - Lehrerin inbegriffen. Und auch da bleibe ich manchmal stecken. Vorlesen kann schwierig sein. Immer schon, ich lese mit den Augen zu schnell und hänge mit der Sprache nach.

Die Lehrerin hat dann gefragt: "Was sollen wir machen, wenn es Dir passiert?" Habe gesagt, daß ich in so einem Fall nur Ruhe brauche. Punkt abgehackt. Bin eimal bei Vorlesen stecken geblieben, sie hat es einfach ganz natürlich übernommen. Und wenn ich verzweifelt ein Word im Kopf suchen, das ich doch gut kenne, fragt keine, ob es doch daran liegt????

Ich muß es nüchtern-rational anpacken, es ist doch keine Schuld!

Nochmals Danke

mezeg

* für dieses Wort hatte ich plötzlich nur eine "weiße" Leinwand... Noch nicht ganz, was ich wollte aber zumindest "brauchbar" ;-) ;-)

Danke an Euch beiden!

mathilda @, Dienstag, 19. Februar 2019, 09:08 (vor 92 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg,

das mit dem Verdrehen der Wörter, nicht einfallen usw kenne ich auch. Lange Zeit hatte ich es meiner Meinung nach als Nebenwirkung der damaligen Medikamente. Jetzt ist es weg.
Doch ich habe es auch nach einiger Zeit gewöhnen daran relativ locker genommen. Mein Mann hat mir bei der Wortfindung geholfen oder ich habe dann einfach umschrieben. Kann ja manchmal auch ganz lustig sein :-) . Und wenn es mir in Situationen unangenehm war, habe ich dann in der "Sprachpause" sowas wie: man, jetzt ist es weg! oä gesagt. Kann ja mal passieren.
Und wenn es beim Gespräch öfter passierte, na... egal!

LG

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