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Depressionen, Gedächtnis, OP, Depressionen, Gedächtnis

podi, Donnerstag, 03. Mai 2018, 00:49 (vor 22 Tagen)

Ich hab jetzt meine letzten sieben Jahre hier betrachtet. Und da waren neben der Epilepsie drei Themen, die vorherrschend waren.
Depressionen, mein Gedächtnis und die Schläfenlappen OP.
Soweit, die OP war, vorerst, erfolgreich. Sie haben Mai 2016 ein Daumengroßes, Labellostick großes Stück vernarbtes Hirngewebe am rechten Schläfenlappen entfernt. Davor hab ich fast täglich Absencen und heftigere Anfälle gehabt. Über 45 Jahre, fast mein ganzes Leben. Seither hab ich keine mehr.
Dafür sind die Depressionen und das schlechte Gedächtnis geblieben, teilweise sogar schlimmer. Die Post OP Testung vor zwei Monaten, hat gezeigt das sich das Kurzzeitgedächtnis verschlechtert hat. Das Fehlen (!) der Anfälle und die langsame Regeneration verursachen weiterhin Depressionen.
Schon komisch, hab keine Anfälle, aber wirklich "gesünder" fühl ich mich überhaupt nicht. Fast im Gegenteil, unter den Anfällen war ich "ich". Einzig die schweren Auren bin ich endlich los. Für mich das schlimmste an der Epi, weit schlimmer als die GM.
Na ja, aus der Epilepsie kommt man wahrscheinlich nie ganz raus.
Oder? Was ist eure Meinung zu dem Thema?

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sandytimmy, Donnerstag, 03. Mai 2018, 08:20 (vor 22 Tagen) @ podi

Hallo
Ich kann das zu einem gewissen Maß verstehen.
Das sind halt Dinge mit denen man ewig zu tun hat, sich beschäftigt hat. Es gehört zu einem
Daran wird man sich genauso gewöhnen, dass sie nicht mehr da sind.
Ich Vergleich sowas gern mit mir als ich erst kurze Zeit mit Schule und Ausbildung fertig war.
Zu der Zeit hatte man ja Ziele in kurzen Zeitrahmen wie, arbeiten bis....
Zum nächsten berufsschultag
Zum Wochenende
Nächste klausur die zu schreiben ist
Nächster Urlaub
Lehrjahr rumkriegen

Und danach steht man da und hat plötzlich kein Ziel mehr.
Ich sagte auch schon,was ist mein Ziel? Rente? In subjektiv 1000 Jahren?

Nein. Aber auch daran hat man sich gewöhnt.
Genauso stell ich mir das ohne Anfälle vor. Zwar nichts worauf man wartet aber man wird kapieren wie unwichtig das eigentlich ist.

Ich hoffe man versteht was ich mit dem Vergleich meine. Man ändert sich halt auch in den Einstellungen und Zielen und man war eine Person mit anfällen und nicht ein Anfall mit Körper

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Green @, Donnerstag, 03. Mai 2018, 12:01 (vor 22 Tagen) @ sandytimmy

Hallo Podi

Respekt vor dem Mut Dich hast operieren lassen.

Ich kann das nur bestätigen was sandytimmy schreibt.
Das eine ist weg und nun kommt was neues.
Fremd/Neu und es müssen neue Strategien entwickelt werden.
Mich würde das Kraft kosten...die ich nicht mehr habe.
Meine Lebenserfahrung ist Du zahlst für alles einen Preis mal gefällt er Dir mal nicht.
Ich habe mich auch arrangiert wie es nun ist...da kenn ich mich aus.
Schön wäre anders.
Wünsch Dir viel Kraft/Mut....und Geduld mit Dir.

Lg Green

Depressionen, Gedächtnis, OP, Depressionen, Gedächtnis

pegasus, Dienstag, 08. Mai 2018, 02:04 (vor 17 Tagen) @ podi

Ist dir schon in irgendeiner Form einmal der Gedanke gekommen, dass du dich auch erst einmal an der neuen Situation gewöhnen musst?

Ich hatte keine OP, sondern nur eine Medikamenteneinstellung und ich wurde depressiver, weil nichts mehr so war wie zuvor. Es hatte 2 oder 3 Jahre gedauert bis die Depressionen diesbezüglich weg waren und ich hatte mich damit abgefunden, dass nun das alles weg sei.

Eventuell ist es bei dir genauso, insbesondere bei der Dauer, wie du es nicht anders kennst, würde es mich persönlich nicht wundern, wenn du einfach nur den alten Zustand zurückhaben möchtest, weil du es schlicht und ergreifend so gewöhnt warst und noch immer bist.

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podi, Dienstag, 08. Mai 2018, 11:14 (vor 17 Tagen) @ pegasus

Mein Neurologe der auch Chefarzt auf der Neurologie ist wo ich in den letzten, etwa zehn Jahren zur Behandlung war, hat auch die Vorbereitungen auf die OP verfolgt. Die hat etwa 1,5 Jahre gedauert. Davor hab ich mehr als 40 Jahre die verschiedensten Medikamente, auch Medikament Kombinationen genommen. Zum Glück meist ohne wirklich schwere Nebenwirkungen, aber ich war eben immer Therapieresistent. Egal was, ich hatte immer Anfälle. Dabei war/bin ich immer mehr oder weniger depressiv gewesen, das hat man nur durch Antidepressiva regeln können. Ausserdem haben auch die Anfälle Auswirkungen auf den Frontal Lappen, auf das Gedächtnis gehabt.
Mein Neurologe hat mich im Laufe der Vorbereitungen auf die OP öfters darauf hingewiesen, daß das Leben nach der OP nicht unbedingt viel leichter wird. Nach einem ganzen Leben mit Anfällen, werden sie mir fehlen. Und das tun sie, sogar viel mehr als ich mir je vorstellen konnte. Ausserdem konnte ich vorher sagen "Ich bin Epileptiker" das ist jetzt anders. Ich nimm nach wie vor Antiepileptika, noch sehr viele Jahre. Aber was bin ich jetzt? Das und die fehlenden Anfälle verursachen wirklich schwere Depressionen. Ausserdem ist das Gedächtnis durch die Schäden am Frontal Lappen noch schlechter geworden.
Durschnittlich dauert es, wie auch hier im Forum zu lesen ist, etwa zwei Jahre, bis man wieder halbwegs normal leben kann.
Aber das ist eben Durchschnitt. So ein ganzes Leben, das man nie anders kannte, ist schon schwer, einfach zu vergessen.

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pegasus, Mittwoch, 09. Mai 2018, 17:19 (vor 16 Tagen) @ podi

Steht denn Zweifelsfrei fest, dass du keine Anfälle mehr bekommen wirst?

Wenn ich seinerzeit in Bethel richtig aufgepasst habe, kann es durchaus noch zu epileptischen Anfällen aufgrund der durch die OP hervorgerufenen Vernarbung kommen, was bedeutet, dass sich die vorhandene Epilepsie dann nur verändert.

So erging es jedenfalls auch einer damaligen Mitpatientin, die zu Ihrer zweiten OP da war.

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podi, Mittwoch, 09. Mai 2018, 22:24 (vor 15 Tagen) @ pegasus
bearbeitet von podi, Mittwoch, 09. Mai 2018, 22:28

Sein kann natürlich immer alles.
Sie haben bei mir den Anfallsherd, eine Narbe am rechten Schläfenlappen entfernt. Nach der letzten Post OP Untersuchung vor zwei Monaten sehr erfolgreich. Sollte ich also jemals wieder Anfälle haben, müsste der Anfallsherd ein anderer sein. Was doch sehr unwahrscheinlich ist.
Gerade war ich wieder bei meinem Neurologen, der ist mit meinem Hirn auch sehr zufrieden, sagt aber genauso das die Psyche zum heilen noch Zeit braucht. Du kennst jedes Gefühl schon ganz genau und plötzlich musst du viele neu einsortieren, ist nicht einfach. Was vorher das Gefühl einer Aura war, ist jetzt ganz was anderes. Das verwirrt, du kannst eben deinen Gefühlen nicht mehr vertrauen.

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stepl, Freitag, 11. Mai 2018, 20:24 (vor 14 Tagen) @ podi

Hallo,

das mit den Depressionen hat nicht allein was mit der Epilepsie zu tun. Andere haben keine Epilepsie und haben auch Depressionen.

Ich bin bei einem Verhaltenstherapeuten der Patienten mit Epilepsie behandelt. Du kannst auch andere Psychologen aufsuchen.


gruss stepl

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podi, Freitag, 11. Mai 2018, 22:39 (vor 13 Tagen) @ stepl

Ich weiß schon, dass das nicht nur die Epilepsie ist. Ich bin auch bei einer sehr guten Psychotherapeutin in Behandlung. Bin auch nicht nur depressiv, eigentlich sogar gar nicht so oft.
Es ist einfach so, das ich seit der Kindheit immer wieder depressive Schübe hab. Und die sind/waren unter den verschiedenen Medikamenten unterschiedlich stark. Ein paar hab ich wegen zu starker abgesetzt. Seit der OP komm ich halt nicht ohne Antidepressiva durch. Zumindest jetzt noch nicht.

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stepl, Samstag, 12. Mai 2018, 05:26 (vor 13 Tagen) @ podi

Hallo Pedi,

Ich stellte irgendwann nach der Pubertät fest, dass ich Einzelgänger bin. Komischer Weise macht mir das gar nichts aus. Ich bin introvertiert. Von anderen erfuhr ich, dass sie wie ich unter mehreren Menschen nicht wohl fühlen, nervös werden. Nur den Kontakt zu einzelnen Menschen suchen. "Ein Kind kann nicht negativ denken!" hörte ich mal. Irgendwie bekomme ich keine Depressionen oder soziale Phobie. Ein Kind bekommt keine Depressionen, es bekommt wie ich das Gefühl der Bedrückung, bedrückt sein.

Ich bekam bewusst mit, dass ich mich nach der Pubertät mit, dass ich mich nach der Pubertät nicht mehr an meine Kindheit erinnern konnte. Andere bestätigten mir, alles was vor der Pubertät war, wissen wir nur aus der Erzählung anderer.
"Das Kind ist noch unvollkommen!" - hörte ich. Man sagte mir: das Kind ist noch in der Entwicklung, es ändert sich noch! Wie weit können wir Fehler verzeihen?
Nach der Pubertät:
"Jeder regt sich mal auf!" , "Ich rege mich doch nicht auf?" , "Jeder regt sich mal auf!"
- der Glaube Aufregung und Fehler verhindern zu können.
"Ich bin kein Kind mehr!" - "Aber Erwachsen bist du auch noch nicht!"
Als ändert sich etwas in der Pubertät, wie wir uns vorher wahr und wie nehmen wir uns danach wahr. Irgendwie bin ich dabei, das heraus zu bekommen.

Ich habe die Wechseljahre hinter mir. Einige redeten von der 3. Generation. "alt und weise" als kommen jetzt viele persönliche Erfahrungen, Lebenserfahrungen wieder ans Licht.


gruss stepl

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