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Subjektive Definition von Behinderung

sandytimmy, Freitag, 30. März 2018, 10:15 (vor 52 Tagen)

Hallo
Wie definiert man für sich Behinderung?
Ich fühle mich eigentlich nicht behindert. Ich merke zwar dass ich Einschränkungen habe, empfinde diese aber nicht so extrem.
Immer wenn ich diese objektiven zahlen sehe wie in meinem Fall
70% schwerbehinderung
Kommentare von Ärzten in berichten mit Formulierungen wie "erhebliche Defizite"
Usw.
Und all das wegen eines schlechten wortgedächtnisses und 2-3 Anfälle im Monat.?
Die Krönung kam gestern. Ich bin 40 und hab die Rente beantragt auf Rat einer bekannten. Dachte nur: Ja ja. Mal gucken was die sagen.
Ergebnis: Rente wegen voller erwerbsminderung.
Fühle mich gar nicht so behindert.

Subjektiv und objektiv beißt sich merke ich.
Kennt ihr das. Es gibt doch Krankheiten die im Alltag behindernder sind und geringere Prozente ergeben. Z.b. copd, Bandscheibenprobleme...

Subjektive Definition von Behinderung

Green @, Freitag, 30. März 2018, 11:06 (vor 52 Tagen) @ sandytimmy

Hallo

ja ich habe mich arrangiert mit der Krankheit..so ist es für mich normal das mir viele Stunden fehlen in der Woche...gelöscht wie eine Datei...ausfälle ohne Ende...für mich ist es normal....und keine Behinderung mehr.
Wie schlimm es ist merk ich erst wenn ich neue Leute kennenlerne.

Nun warum hast du die Rente beantragt? Warst du Arbeitslos...reicht Dir die Rente?

Lg Green

Subjektive Definition von Behinderung

Anton, Freitag, 30. März 2018, 11:24 (vor 52 Tagen) @ Green

Hallo Sandytime,

ich finde, „Behinderung“ sollte mehr durch das Wort „Einschränkung“ ersetzt werden. „Behinderte“ müssen Hürden überwinden, um das Gleiche zu leisten, wie ihre Zeitgenossen. Behinderung kommt mehr aus dem Sprachgebräuchlichen, wenn jemand Blödsinn redet oder macht, oder unrichtige Dinge extra macht, um damit aufzufallen. Dann sagt man leicht, „der ist auch ganz schön behindert“, aber nicht weil man es so meint, sondern es ist eine Redensweise.

Die Definition „Behinderung“ rührt noch mehr aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Damals hat man richtigerweise festgestellt, dass Handwerker, die Gliedmaßen verloren hatten, genauso gut im Büro eingesetzt werden können, und so ihren Beitrag am Arbeitsleben leisten können. Sie wurden, wie auch heute noch, bei gleicher Qualifikation bevorzugt bei Bewerbungen.

Wenn Ärzte von „erheblichen Defiziten“ sprechen, meinen sie, dass zwar ausreichend Ressourcen vorhanden sind, diese aber durch die Nebenwirkungen der Medikamente nicht zum Einsatz kommen können. Man könnte auch von kognitiven Defiziten sprechen.

Ich halte den Ausdruck „Einschränkungen“ für wesentlich passender als den Begriff „Behinderung“. Denn Behnderung bezieht man leicht auf die geistigen Fähigkeiten, was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, auch bei Epilepsie nicht. In Wirklichkeit wird es ja auch bei der Bemessung des Ausweises so dargestellt. Und zwar geht es um Nachteilsausgleiche, die dem Inhaber Vorteile verschaffen, um mit Menschen ohne Einschränkungen auf einer Stufe zu stehen.

In meinem Ausweis steht eine MdE von 100 und das Merkzeichen „G“. Auch ich habe ein anderes Empfinden, das beweise ich mir durch sportliche Leistungen. Wenn Du schreibst, „Schwerbehinderung 70 %“ ist das nicht richtig. Mit der MdE wird festgestellt, wie hoch der Nachteilsausgleich sein muss, um dich mit Gesunden auf eine Stufe zu stellen. Die Angabe im „Schwerbehindertenausweis“ hat nichts mit Behinderung zu tun, sondern soll ein Ausgleich sein. Was aus sozialer Sicht richtig zu werten ist.

Gute Grüße
Anton

--
"Ehrlichkeit verlangt nicht das man alles
sagt, was man denkt, Ehrlichkeit verlangt
nur, dass man nichts sagt, was man nicht
auch denkt..." (Helmut Schmidt)

Subjektive Definition von Behinderung

sandytimmy, Freitag, 30. März 2018, 13:11 (vor 52 Tagen) @ Anton

Ich Beweise das nur durch einen völlig normal normalen Alltag
Ich geh allein überall hin wo ich will. Außer Auto fahr ich alles
Tu und lass was ich will
Kletter auch Leitern hoch, gehe schwimmen ohne irgendwem irgendwas zu sagen
Und,und,und....
Was die ,entschuldigt, hypochonder unter den epileptikern nicht machen.
Behindert ist man nicht. Behindert wird man von den Mitmenschen und sich selbst.

Wie das Kind "behinderung" genannt wird ist mir egal
Gehe damit auch normal um.
Bei anderen Begriffen nervt es dass man bei den Mitmenschen eine Latte an Erklärungen anschließen muss.

Subjektive Definition von Behinderung

sandytimmy, Freitag, 30. März 2018, 12:55 (vor 52 Tagen) @ Green

Ich hab die Rente beantragt auf Vorschlag des amtsarztes vom Arbeitsamt und Gespräche mit meinen bekannten und Verwandten
Wenn ich jetzt Rückblicke ich hab
Zig Dinge abgebrochen weil entweder mein Gedächtnis nicht ausreichte
Oder
Die Chefs nicht mit meiner chaotischen Art zurecht kamen. Ich alles mögliche suche weil ich es in Gedanken liegen lasse... oder als augenoptikerin vor Kunden Anfälle hatte
Ich habe:
97 Abi gemacht
98 pta Ausbildung abgebrochen- Gedächtnis
2002 augenoptikerausbildung abgeschlossen
Drei Jahre gearbeitet. In den Zeiten war ich anfallsfrei
2009 Krankenpflege Ausbildung 2x die Probezeit nicht überlebt
Also in Optik geblieben
Dann insgesamt 4 kündigen wegen der Anfälle bzw der unorganisierten Art. Und dem extrem schlechten Gedächtnisses.

Jetzt nochmal ein Gutachten gemacht.
Kommentar des gutachters
Sie sind zwar körperlich fit aber er wüsste nichts was ich mit den Einschränkungen machen könne

Subjektive Definition von Behinderung

pegasus, Freitag, 30. März 2018, 20:55 (vor 52 Tagen) @ sandytimmy

Kommentar des gutachters
Sie sind zwar körperlich fit aber er wüsste nichts was ich mit den Einschränkungen machen könne

Dafür gibt es u.a. die medizinische Reha, denn Epilepsie ist viel zu komplex.

Im übrigen, ist laut Definition des SGB IX zwar eine Behinderung, aber man muss nicht immer mit dem "Mainstream" gehen. Ich habe die Erkrankung und mache das beste daraus.

Subjektive Definition von Behinderung

sandytimmy, Freitag, 30. März 2018, 21:21 (vor 52 Tagen) @ pegasus

Hauptproblem ist eh das extrem schlechte Gedächtnis
Nicht die Anfälle.
Medizinische Reha ist nicht möglich laut Gutachten
Daher ja Rente
Heißt ja Reha vor Rente

Subjektive Definition von Behinderung

Green @, Samstag, 31. März 2018, 00:02 (vor 52 Tagen) @ sandytimmy

Hallo

und das nächste ist dann Reha vor Pflege :-(

Haben Sie Widerspruch gegen das Gutachten eingelegt...bestimmt.
Das Gutachten an gefordert?
Bei mir hat mal ein Zahnarzt ein Gutachten für was geschrieben.

Das ist alles so ermüdent find ich.

lg Green

Subjektive Definition von Behinderung

sandytimmy, Samstag, 31. März 2018, 10:56 (vor 51 Tagen) @ Green

Ja. Habe ich.
War dann sogar noch bei einem zweiten Gutachter.
Der kam zum ähnlichen Ergebnis.
Das habe ich dann so hingenommen und das Ergebnis der rentenkasse abgewartet.

Stört mich jetzt auch nicht mehr so sehr.
Ich wundere mich nur dass sich mein persönlicher Eindruck und objektive Berichte so beißen

Subjektive Definition von Behinderung

pegasus, Samstag, 31. März 2018, 10:56 (vor 51 Tagen) @ sandytimmy

Das Gutachten würde ich zu gerne einmal lesen, denn eine medizinische Reha pauschal abzulehnen ist dann doch sehr ungewöhnlich.

Daher würde ich dir empfehlen, dass dein behandelnder Arzt das einmal anfordert und wenn er das hat, solltest du genau darauf prüfen in welcher Gefährdungskategorie du eingestuft worden bist

https://www.umwelt-online.de/recht/arbeitss/uvv/bgi/585_ges.htm

Subjektive Definition von Behinderung

Trishka, Freitag, 30. März 2018, 17:55 (vor 52 Tagen) @ sandytimmy

Sollten meine Defizite wirklich alle mit meiner Epilepsie zusammenhängen, so fühle ich mich dadurch schon behindert! Vor der Diagnose habe ich nämlich vieles darauf geschoben, dass es einfach mein Naturell ist.

Ich bin jetzt 3 Jahre arbeitslos und wünsche mir so sehr, wieder zu arbeiten!
Doch ich habe große Angst, dass mir meine Defizite so im Wege stehen werden und ich es wieder nicht schaffen werde, den Job zu halten.

Ich war schon immer extrem langsam und habe Vorgesetzte und Kollegen damit zur Weißglut gebracht. Für mich wirkte es aber immer wie normales Arbeitstempo und ich war verzweifelt, wenn andere doppelt so schnell bei denselben Aufgaben fertig waren.
In meiner Weiterbildung im vorletzten Jahr wurde man schon ungeduldig, weil ich ewig auf der Toilette blieb, und nein, ich habe dort keine lange Sitzung mit Zeitunglesen abgehalten. ;-) Ich wunderte mich nur, warum plötzlich jemand gegen die Tür hämmerte und mir anschließend den Vorwurf machte, dass ich die Toilette sehr lange blockiert habe. Im nachhinein dachte ich mir, dass ich anscheinend 30 Absencen gehabt haben muss.

Auch bin ich auffallend schusselig und vergesslich. In meinem letzten Job war mir das anfangs gar nicht so bewusst. Ich habe mir auch viele Arbeitsschritte notiert. Doch ständig vergaß ich irgendwas, auch wenn es längst zur Routine geworden war. Die Kollegen lästerten über mich und es kam auch schon mal der Spruch: "Aber bitte nicht wieder vergessen, was ich Ihnen gerade (oder mal wieder) gezeigt habe". Sie behandelten mich fast wie eine Demenzkranke.

Bis Oktober letzten Jahres hatte ich einen Minijob als Reinigungskraft und auch da vergaß ich oft etwas und sei es nur, einen Papierkorb zu leeren oder eine der Türen abzuschließen. Ich beeilte mich unwahrscheinlich mit der Arbeit, doch es war nie schnell genug, um das Pensum gut zu schaffen. Der Chef meinte mal hämisch, dass ich irgendwie lahmarschig sei.

Von daher stellt die Epilepsie für mich eine Behinderung dar, weil ich in keinem Job den Erwartungen genügen kann.

Liebe Grüße,
Trishka

Subjektive Definition von Behinderung

pegasus, Freitag, 30. März 2018, 20:52 (vor 52 Tagen) @ Trishka

Sollten meine Defizite wirklich alle mit meiner Epilepsie zusammenhängen, so fühle ich mich dadurch schon behindert! Vor der Diagnose habe ich nämlich vieles darauf geschoben, dass es einfach mein Naturell ist.

Dir ist schon noch irgendwo bewusst, dass dieses Naturell dann nur einen Namen bekommt, nämlich Epilepsie und alles andere bleibt beim alten, wenn du es zu lässt und es einfach nur akzeptierst, dass es endlich mal einen "Namen" bekommt?

Subjektive Definition von Behinderung

stepl, Montag, 02. April 2018, 07:51 (vor 50 Tagen) @ sandytimmy

Hallo,

ich bin introvertiert -- nicht normal.
Meine Mutter forderte mich immer wieder am Tisch auf: Halt doch mal die Hände stillt!
"Ich rege mich doch nicht auf!" - protestiere viele.
Wenn ich nervös, aufgeregt bin - kann ich meine Hände nicht still halten.
"ich rege mich auf!" - für mich ist aufregen im Gegensatz zu anderen etwas normales. Es gehört zu meinem Leben dazu! Wenn ich im Unterricht nervös-aufgeregt bin, spiele ich mit meinen Schulsachen.

"Du musst es nur wollen, dann kannst du es auch!"
-- hier geht man nur von objektiven, sichtbaren Behinderungen aus. Jeder sieht, dass du nicht so kannst wie du willst.

Wie schnell und wie viel kann ich mir in einer Schulstunde merken!
Stress - geistige Leistungsstärke / Konzentration.
"Man kann sich nicht alles merken!" - wie schnell und wie viel kann ich mir merken?
Muss ich mir allen Mist merken! / Muss ich mir allen Mist aus der Schule merken?

Denken und Handeln sind bei mir verlangsamt!
Wenn ich meine Hausaufgaben mache, habe ich mehr Zeit. Ich kann jetzt einige Fehler vermeiden.
Ursache - Wirkung: Fehler die durch Hast und Eile entstehen!

Ursache - Wirkung: Ist immer die Epilepsie an allem Schuld?
Meine Probleme hatte ich schon davor, ehe ich wusste, dass ich Epilepsie habe.
Epilepsie ist was negatives - alles negatives hängt mit der Epilepsie zusammen.
durch die Introvertiertheit habe ich kein Negativdenken. Auch mein logisches Denken führt dazu, an vielem was andere sagen zu zweifeln oder sogar in Frage zu stellen.

Heute wird von der jüngeren Generation Stress anerkannt.
Die Frage der geistigen Leistungsfähigkeit. "Wie schnell lerne ich?"
"Du musst es nur wollen, dann kannst du es auch!" - "Liegt es am Wollen oder am Können?"
Nur wenn ich sage "Ja! ich rege mich auf!" -- dann nehme ich mich selbst wahr!

gruss stepl

Subjektive Definition von Behinderung

stepl, Sonntag, 08. April 2018, 06:37 (vor 44 Tagen) @ sandytimmy

Hallo,

"Du musst es nur wollen, dann kannst Du es auch!"
"Wo kommen wir denn hin, wenn jeder macht was er will!"
-- die Vorstellung vom freien Willen.

"Du musst es nur wollen, dann kannst du es auch!"
Wenn mir die Hand fehlt, sieht es jeder, dass ich nicht so kann wie ich will, gerne möchte.
Es liegt nicht am Willen, sondern am Können.


"Halt doch mal deine Hände still!"
Ich will ja meine Hände still halten. Meine Hände wollen nicht so wie ich will.
"Liegt es am Willen oder am Können?"


"Du musst es nur wollen, dann kannst du es auch!"
Der Glaube: Aufregung oder Fehler verhindern zu können!
"Du musst es nur wollen, dann kannst Du es auch!"


gruss stepl

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