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Allein leben im Alter?

silcada @, Samstag, 06. Januar 2018, 14:17 (vor 44 Tagen)

Hallo, ich suche Hilfe für ein mir sehr wichtiges Thema: ich bin 66, habe fokale Anfälle, vielleicht 1 mal im Monat. Bin also besser dran, als viele hier im Forum, und dankbar dafür.
Jetzt überlege ich, was ich tue, wenn mein (sehr kranker) Mann verstirbt? Bisher habe ich sein Dabeisein bei einem Anfall als hilfreich empfunden. Aura, nehme 1 mg Tavor, werde müde und schlafe. Sollte ich einen stärkeren Anfall bekommen, mein Mann kann das gut sehen, nehme ich noch einmal mein Notfallmedikament, das war es dann. Ich möchte gerne bald in ein Seniorenstift mit ihm gehen. Hat jemand Erfahrung mit Leben als Epileptiker, allein, im Alter? Ich bin noch nie allein gewesen seitdem die Anfälle öfter auftreten, seit 4 Jahren.

Allein leben im Alter?

Anton, Sonntag, 07. Januar 2018, 10:53 (vor 43 Tagen) @ silcada
bearbeitet von Anton, Sonntag, 07. Januar 2018, 10:56

Hallo Sicada,

ich verstehe Deine Frage nicht ganz. Du lebst zur Zeit mit Deinem Mann in einer Wohnung und beabsichtigst, aufgrund seiner Erkrankung in ein Seniorenstift zu ziehen? Deine Frage bezieht sich auf die Zeit nach ihm?

Du möchtest also nur wegen seiner Erkrankung in ein Seniorenwohnheim ziehen, um es leichter zu haben, oder? Zu Deiner Frage. Sollte alles so eintreten, wie Du es zur Zeit vermutest, wohntest Du nach dem Tod Deines Partners alleine in einem Seniorenheim, und das noch sehr jung?

Aus meiner Sicht 20 Jahre zu früh, und das bei den Kosten. Sollte alles so kommen, würde ich an Deiner Stelle in die Wohnung eines genossenschaftlich geführten Mehrfamilienhauses ziehen. Für Alleinlebende gibt es heutzutage viele Hilfen, die das Leben im Alter leichter machen.

Das würde beginnen bei der Nachbarschaft. In gepflegten Mietshäusern kennen sich die Bewohner untereinander. Es gibt mobile Dienste für die Pflege, den Notfall und für die Beköstigung. Es gibt Gesprächdienste der Kommune. Es gibt noch wesentlich mehr Hilfen, alles zu erfahren bei den sozialen Diensten der Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Und es gibt das „Betreute Wohnen“, auch hier ist man im Notfall nicht alleine.

Wichtig ist, dass man sich permanent nach Neuerungen umhört. In Frankreich zum Beispiel bietet die Post seit Beginn d. J. eine gebührenpflichtige Leistung an, die beinhaltet, dass der Postbote ein- oder zweimal in der Woche einen Besuch abstattet, um die Befindlichkeit älterer Menschen zu prüfen. Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, dass man früh genug beginnt, sich nach Möglichkeiten umzusehen. Ich wünsche Euch eine glückliche Hand und einen guten Weg.

Viele Grüße und ein gutes Neues Jahr 2018
Anton


PS.: Für ebenso wichtig halte ich es, rechtzeitig eine Betreuungs- und Patientenverfügung zu erstellen. Dann kannst Du davon ausgehen, dass bis zuletzt nach Deinen Wünschen verfahren wird.

--
"Ehrlichkeit verlangt nicht das man alles
sagt, was man denkt, Ehrlichkeit verlangt
nur, dass man nichts sagt, was man nicht
auch denkt..." (Helmut Schmidt)

Allein leben im Alter?

silcada @, Donnerstag, 11. Januar 2018, 00:56 (vor 39 Tagen) @ Anton

@Anton: Danke fuer Deine ausfuehrliche Antwort. Ich werde mich intensiver mit der Gegenwart und dem morgen beschaeftigen!
Ich war voreilig, hier, an einem Tag mit meinen Zukunftsaengsten.
Du hast mir neue Perspektiven aufgezeigt. Das hilft.

Allein leben im Alter?

Petrus, Saarland, Donnerstag, 11. Januar 2018, 02:10 (vor 39 Tagen) @ silcada

Ich bin 53 Jahre alt und begann mir über dieses Thema vor 3 Jahren Gedanken zu machen als ich einen Anfall hatte der über ca 45 min ging und ich , was noch nie geschah, mich erbrach und anschließend für einen Tag ins Krankenhaus musste.

Da ich nur Schlafgebundene Anfälle habe und ich bei einem GM oft mit dem Kopf ins Kissen gedrückt werde und nach Sauerstoff Ringe als ob ich erwürgt werde und dann bewusstlos werde und der Anfall dann seinen Lauf nimmt.

Dadurch wuchs in mir die Angst dass es meiner Frau einmal nicht mehr gelingen kann dafür zu sorgen dass ich genügend Sauerstoff bekomme.

Obwohl dieser Verlauf nur ein bis zwei mal pro Jahr sich einstellt wächst die Angst in mir es im Alter einmal nicht mehr schaffen zu können.

Ich berichtete meiner Neurologin dass ich diese Ängste habe und sie bestätigte mir dies auch mit der Aussage dass die Dunkelziffer der Sterbefälle von Senioren tatsächlich sehr hoch ist bei einem EPI GM im Alter zu sterben bzw. einen Herzinfarkt oä zu bekommen und der Nachweis über den tatsächlichen Tot nicht mehr erfolgen kann.

Es ist wohl tatsächlich so jedoch baute mich diese Aussage nicht gerade auf zu wissen dass die Wahrscheinlichkeit besteht auf diese Art einmal sterben zu können.

Gleichwohl bin ich zuversichtlich und ein zu sehr lebensbejahender Mensch als dass mich dieser Gedanke deprimieren könnte wer zeitlebens mit dieser Krankheit lebt dem sollte die Art zu Sterben egal sein

Weil das Leben ist doch lebenswert

Euch allen ne Anfallsfreie Zeit
LG Euer Petrus

Allein leben im Alter?

sandra79, Donnerstag, 18. Januar 2018, 11:20 (vor 32 Tagen) @ silcada

Hallo silcada,

ich finde diese Ängste, grade in deinem Alter von 66 Jahre, ganz normal. Zumal du ja noch nie alleine gelebt hast.

Ich lebe auch seit einen halben Jahr wieder alleine und eigentlich ganz gut. Allerdings habe ich auch sehr nette Nachbarn inkl. meiner Mutter. Obwohl wirklich helfen kann man da eh nicht, sondern nur abwarten und wenn es ganz schlimm ist einen Krankenwagen rufen. Aber das mach ich auch nicht bei jedem Wehwehchen (lernt man mit der Zeit ob ein Arzt wirklich nötig ist)

So jetzt nocheinmal mit dem alleine wohnen - da habe ich mich an ein paar Dinge gehalten:

1. Gute Nachbarschaft bzw. eine Person die regelmäßig nach mir sieht
2. Erdgeschoss - ich bin schon einmal aus dem 2. Stock gesprungen
3. Ich kletter z.B. putzen nicht höher wie ein Stuhl (Leitern etc. sind tabu)

Solche Dinge wie Wasser laufen lassen oder den Herd an lassen sind mir Gott sei Dank noch nie passiert :-D

Aber wenn du dich in einem Pflege-/Altenheim sicherer fühlst dann finde ich das auch vollkommen okay. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich würde sagen nur Mut...

LG
Sandra

Allein leben im Alter?

silcada @, Freitag, 16. Februar 2018, 21:50 (vor 3 Tagen) @ silcada

Ein grosses "Dankeschoen" an alle, die mir hier ein bisschen Lebenshilfe gegeben haben.
Ich kann ein wenig aufatmen.

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