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Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Freitag, 05. Januar 2018, 22:13 (vor 224 Tagen)

Hallo.
Mein Name ist Désirée. Ich bin gelernte Rettungsassistentin. Vor Kurzem bin ich in die Schweiz ausgewandert und schreibe für meine Berufsanerkennung eine Facharbeit über das Thema Epilepsie mit Schwerpunkt auf dem Aurageschehen.
Hierfür suche ich nach Erfahrungsberichten.
In meinen 7 Jahren Berufserfahrung habe ich viele Patienten mit verschiedenen Krampfanfällen gesehen. Jedoch war nur ein Patient dabei der anhand von der Aura erkannte, dass er gleich krampfen wird und noch selbst den Rettungsdienst alarmieren konnte.
Diesen Einsatz werde ich nie vergessen. Obwohl es nun schon 5 Jahre her ist, bin ich nach wie vor beeindruckt von dem ganzen Geschehen.
Da wir im Rettungsdienst nur wenig auf solche Besonderheiten vorbereitet werden, möchte ich mit meiner Facharbeit die Kollegen etwas mehr sensibilisieren.
Dafür suche ich Erfahrungsberichte sowohl von Menschen, welche mit Epilepsie leben, als auch Angehörigen.
Dabei interessiert mich die Form der Epilepsie, das Leben damit, Erfahrungen mit der Umwelt und der Familie, wenn vorhanden Aura (wie wirkt sich das aus) und evtl. damit verbundener Selbstkontrolle, Erfahrungen mit dem Rettungsdienst (wenn schon einmal benötigt), Wünsche an andere was den Umgang mit Ihnen angeht. Eigentlich alles was Sie mir gern erzählen möchten.
Selbstverständlich werde ich Ihre Erzählungen bzw. Ihre Daten vertraulich behandeln. Namen werde ich nur mit Initialen abkürzen. Was ich nicht an Informationen in die Facharbeit schreiben darf, werde ich auf Ihren Wunsch auch nicht verwenden. Das verspreche ich.
Ich möchte einfach gern einen Einblick in das Leben mit Epilepsie bekommen.

Ich freue mich auf Ihre Erzählungen und bedanke mich schon mal ganz doll für Ihre Hilfe.

Viele Grüsse
Désirée

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

mezeg, München, Samstag, 06. Januar 2018, 09:39 (vor 223 Tagen) @ Desi

Hallo Désirée,

solche komplette Berichte wurden hier aus gleichem / ähnlichem Grund bereits mehrmals angefragt. Es ist nicht amüsant jedes Mal unsere komplette Erfahrung ausführlich zu beschreiben. Querbeet läßt sich hier alles mögliche durchlesen. Der Interessierte kann sich außerdem eine ungewöhnte Mosaïk daraus zusammenstellen.

Da Du Rettungsassistentin bist, kann ich Dir trotzdem eine wichtige Information weitergeben. An der Gesundheitskarte schnelle präzise Information über die eigenen Epilepsie Formen / Gründe, was vermieden / erfolgen sein, anheften. Dazu unbedingt die komplette Auflistung aller Medikamente, nicht nur wegen Epilepsie.

Ein Rettungssanitäter hat es als "hervorragend" kommentiert. Ich war noch bewußtlos und konnte keine Information liefern.

Diesen Rat hatte ich in diesem Forum gelesen. Also fleißig durchlesen!

mezeg

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Montag, 08. Januar 2018, 17:30 (vor 221 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg,

Danke für die Antwort.
Ich werde mal alles durchforsten, Danke für den Tipp.

Auch danke für die Rettungsdiensterfahrung.

Gruss
Désirée

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

sandytimmy, Samstag, 06. Januar 2018, 20:06 (vor 223 Tagen) @ Desi

Hallo liebe desiree
Ich habe immer eine Aura so 10-15 Sekunden vor einem Anfall.
Da habe ich einen Druck im oberbauch, höre alles etwas lauter und muss Bewegungen bewusster ausführen damit sie flüssig bleiben.
Danach beginnt die bewusstlose Phase meiner komplex fokalen Anfälle.
Eine Aura find ich nicht schlimm weil ich dann so was mache wie gefahrenquellen aus dem Weg gehen.
Bei rettungsassistenten weis ich nicht was sie über epilepsie lernen.
Aber im Einsatz entsteht bestimmt sehr schnell der Eindruck dass alle Anfälle melodramatisch ablaufen, wild krampfen mit Schaum immer vor dem Mund.
Ich habe in 38 Jahren Anfälle nie einen arzt benötigt.
Wofür auch bei komplex fokalen Anfällen?
Ich verliere ja nur das Bewusstsein und mache dann entweder nichts oder führe begonnene Bewegungen fort. Laufe weiter oder so was.
Dadurch dass ich schon von klein an Anfälle habe, leide ich nicht so sehr darunter.
Wenn ich einen Anfall hatte registriere ich dass ich ihn hatte und dann geht das Leben auch schon weiter.
Merkbarer Unterschied im Laufe der Jahre: als Kind war ich eine Stunde später schon wieder topfit jetzt mit fast vierzig brauch ich doch schon einen halben Tag

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Montag, 08. Januar 2018, 17:38 (vor 221 Tagen) @ sandytimmy

Hallo sandytimmy,

Vielen Dank für die Antwort. Das hilft mir sehr weiter.
Ich hätte noch zwei Fragen: Nimmst du Epilepsie-Medikamente ein oder kommst du komplett ohne aus?
Und: Konntest du durch Selbstkontrolle, als du die Aura bekommen hast, den Krampf schon mal verhindern?

Viele Grüsse
Désirée

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

sandytimmy, Montag, 08. Januar 2018, 23:00 (vor 221 Tagen) @ Desi

Hallo
Ich nehme schon fast mein ganzes Leben Medikamente
Bin schon zig Wirkstoffe durch die entweder nicht ausreichend wirkten oder ich zu starke Nebenwirkungen hatte.
Momentan nehme ich
Zebinix 800 Wirkstoff eslicarbazepin 2-0-0
Und levetiracetam 1,5 -0- 1,5
Dabei werde ich vermutlich auch länger bleiben da ich mit 2 Anfälle im Monat recht gut zurecht komme und eh als austherapiert gelte.

Durch Konzentration kann ich nichts beeinflussen
Die bewusstlose Phase kommt meistens,manchmal halt nicht. Lass ich einfach auf mich zukommen.

Was wissen bzw lernen rettungsassistenten denn über epilepsie? Denkt man nicht nach einiger Zeit dass jeder Anfall melodramatisch abläuft?

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Dienstag, 09. Januar 2018, 14:24 (vor 220 Tagen) @ sandytimmy

Hallo sandytimmy,

nochmals vielen lieben Dank.

Als ich vor 7 Jahren die Ausbildung zur Rettungsassistentin machte, haben wir nicht sehr viel über Epilepsie gelernt.
Ich weiss nicht ob die jetzigen Azubis zum Notfallsanitäter (es gab eine Umstrukturierung der Rettungsdienstausbildung) ausführlicher lernen.
Aber damals haben wir nur einen ganz kurzen Überblick über die Formen bekommen.
Tatsächlich beschränkt sich unser erstes gelerntes Wissen hauptsächlich auf die Ursachen, die Symptome, die Gefahren und die Massnahmen. Also "nur" das was im Einsatz im ersten Moment relevant ist. Wer mehr wissen möchte muss sich selbst weiter bilden. Tatsächlich gibt es auch kaum Weiterbildungskurse. Meist werden diese dann auch allgemein neurologisch gehalten. Das ist aber mit vielen Krankheitsbildern so.
Das ist auch ein Grund weshalb ich dieses Thema als Facharbeit gewählt habe.

Es ist leider häufig so, dass wir als "dumme Rettungsdienstler" nicht viel gelernt bekommen.
Die Ansprüche werden immer höher, aber Wissen wird nur ungern geteilt. So kommt es jedenfalls oft rüber wenn man sich von Ärzten etwas erklären lassen möchte.
Es gibt aber auch Ausnahmen. Manche Ärzte erklären dann doch dies und das. Wobei mir das leider noch nie bei Krampfanfalleinsätzen passiert ist.

Mit den Jahren habe ich gelernt das nicht jeder Anfall gleich ist. Auch jeder Patient ist anders bzw hat andere Anfälle.
Melodramatisch hab ich sie nie empfunden. Dazu muss ich aber auch gestehen, dass ich recht abgestumpft bin was dies angeht.
Meistens kommen wir auch erst zum Patienten wenn schon die Nachschlafphase erreicht ist. Den eigentlichen Krampf sehen wir nur selten.

Damals vor 5 Jahren war die absolute Ausnahme das wir dank Aura noch vor dem eigentlichen Anfall da waren. Und da ich damals erst im zweiten Lehrjahr war, habe ich mich erschrocken wie schnell der Patient von "wir reden noch normal miteinander" zu beginnendem Zucken im Arm zu plötzlich nicht mehr ansprechbar und total krampfend überging. Alles in 2 Minuten. Das war schon sehr beeindruckend muss ich sagen. Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu stumpf.

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morti, Montag, 08. Januar 2018, 01:50 (vor 221 Tagen) @ Desi

Hallo Desi,

Auren sind ein schwieriges Thema. Es können ja nur Betroffene, welche Auren wahrnehmen können darüber berichten, leider.

Ich wurde mit diesem Aspekt konfrontiert, bervor die Diagnose der Epilepsie vorlag. Man gab mir damals den Rat, diesbezüglich einen Kalender zu führen. Eine Auswertung dieses Kalenders zeigt einen gewissen Zusammenhang zwischen der Häufung von Auren und Anfällen, welche von Außenstehenden beobachtet wurden sind. Eine Garantie ist aber nicht gegeben.

Was hatte ich getan? Als erstes mußte ich den verschiedenen Auren einen Begriff und eine eindeutige Definition zuordnen. Dieser Prozeß dauerte etwa drei Monate. Ich mußte subjektiv beschriebene Erscheinungen festhalten und klassifizieren. Dies ist sehr aufwendig. Um es mal konkreter zu beschreiben... Bei mir liegen vier verschiedene Formen optischer Wahrnehmungsveränderungen vor. Diese waren zu beschreiben und mußten unterscheidbar sein. Dieser Aufwand lohnte sich aber auch. Hierdurch wurde es mir möglich beim Auftreten einer Veränderung der Wahrnehmung das Risiko einzuschätzen. Es ist nicht perfekt, aber ein kleiner Anfang .:-)

In der momentanen Statistik werden acht Werte beobachtet. Mehr zu beobachten macht keinen Sinn. Einerseits will ich mir nicht permanent soviele Erscheinungen merken, andererseits besteht beim sichmerken zu vieler Werte/Erscheinungen das Risiko, den Bezug zum wirklich Wichtigen verlieren zu können. Es ist mir ja nicht verboten, die Prioritäten der Meßwerte zu ändern.

Ich selbst kann nur einen inneren Ausgleich anstreben und die Risiken der Basiserkrankung reduzieren.

Fazit: Auren nutzen können ein großer Vorteil sein. Der Umgang damit ist schwer zu erlernen (wenn überhaupt). Sie geben aber keine Garantie. Dadurch muß jeder Betroffene seinen Weg für die Beweltigung des Restrisikos finden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der FA.

MfG Morti

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Desi, Montag, 08. Januar 2018, 17:53 (vor 221 Tagen) @ morti

Hallo morti,

vielen Dank für deine Antwort.
Die hilft mir auch sehr weiter.

Ich hätte auch hier noch ein paar Fragen wenn es okay ist?

Wie lange lebst du jetzt schon mit den Auren und der Epilepsie?
Bist du zusätzlich noch medikamentös eingestellt oder wuppst du das alleine?
Und wenn du einen inneren Ausgleich schaffst, wie stark kannst du dann den Krampf reduzieren?

Nochmal vielen Dank auch für die investierte Zeit mir zu schreiben.

Viele Grüsse
Désirée

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morti, Donnerstag, 11. Januar 2018, 04:05 (vor 218 Tagen) @ Desi

Hallo Desi,

Ich versuche mal die Fragen zu beantworten.

Um die Frage nach dem ersten Auftreten der Auren beantworten zu können, ist es sinnvoll, die von mir beobachteten Auren zu definieren. Weiterhin ist die Basiserkrankung zu betrachten, da bei mir hier aus ärztlicher Sicht ein kausaler Zusammenhang diagnostiziert wurden ist. Die Basiserkrankung ist eine zAVM (zerebrale arteriovenöse Malformation). Diagnostiziert wurde sie durch ein MRT (in Notfällen geht auch ein CT). Für eine genauere Strukturerfassung ist ist eine DSA ratsam. Bisherige medizinische Erkenntnisse weisen darauf hin, daß bei mir eine angeborene Erkrankung vorliegt (eine genauere Dokumentation kannst Du in den Leitlinien der DGN finden). Jedenfalls wurde bei mir eine symptomatische bisher nicht ruptierte zAVM diagnostiziert. Es können hierbei neurologische Defizite bis hin zur Epilepsie auftreten.
Ich hatte in den jungen Jahren (als ich nichts über meine Situation wußte) auch mit psychoaktiven Substanzen experimentiert. Genau diese Erfahrungen daraus nutze ich heute. Hierzu muß ich aber auch sagen, daß ich diese 'Selbstversuche' nicht zur Problemlösung (sprich: sinnlose Betäubung) nutzte. Ich hatte ja schon im ersten Posting erwähnt, daß bei mir verschiedene optische Auren auftreten. Ich zähle mal alle in meiner Statistik verwendeten Auren/Defizite auf und versuche sie in einer Kurzform zu umschreiben. (in der ersten Spalte befindet sich mein subjektiver Begriff; die zweite Spalte ist relevant)
Punkte: vor dem realen Bild bewegen sich kleine leuchtende Punkte
Tiefe: Entfernungen und Größenrelationen werden irreal wahrgenommen (zB. Stell Dir vor, du seiest bei Laufen auf der Straße größer als 3 Meter...)
Tunnel: das Sichtfeld (normalerweise ein Oval) ist auf einen reduzierten Kernkreis verkleinert wurden ... der Außenbereich bleibt unverarbeitet ... 'schwebt an einem vorbei'
Diaginale: eine helle blitzartige Linie zerreißt das Sichtfeld; nur eine Hälfte wird erfaßt; die Linie bewegt sich
Gleichgewicht: taumelnde Bewegung beim Laufen (ps.Linksdrall)
Schwerelosigkeit: das eigene Körpergewicht fehlt; das Belastungsgefühl beim Laufen entfällt, als ob man fliegt...
Konzentration: zusammenhängende Gespräche werden inhaltlich nicht erfaßt; tritt auch beim Lesen von Texten auf
Gehör: verschiedene Signalquellen können nicht differenziert werden
Die ersten Erscheinungen (Punkte, Tiefe, Gleichgewicht...) traten bei mir etwa ab dem 12. Lj. auf. Da sie aber sehr unscheinbar sind, hatte ich sie ignoriert. Solche Erscheinungen können auch Blutkreislufproblemen auftreten. Mittlerweile bin ich 50. Erste Verdachtsmomente traten auf, als ich 26 war und im Abstand von 4 Monaten zwei Verkehrsunfälle ausgelöst hatte. Da EEG's nicht unmmittelbar danach durchgeführt wurden, war der Befund negativ. Erst vier Jahre später konnten beim Augenarzt Störungen im Sichtfeld erkannt werden. Da aber die Augen ok waren, wurde ein MRT angeraten, da die Ursache auf den Nervenbahnen und/oder im Sehzentrum zu suchen war (es gibt natürlich auch noch andere Aspekte). Die Bildaufnahmen sagten genug...:-(
In den darauffolgenden Jahren war ich etwas leichtsinnig (ungünstige Auswirkungen auf die zAVM), wodurch für Personen in meinem Umfeld Anfälle erstmalig sichtbar wurden. Zu dieser Zeit war ich beruflich sehr viel unterwegs... Vertraute hatten kaum die Chance etwas zu beobachten. Letztendlich führten Konzentrationsdefizite zu einer Einschränkung meiner Erwerbsfähigkeit (ab 2010). Erst ab diesen Zeitpunkt setzte ich mich genauer mit meinem Befund auseinander. Selbst wenn in ärztlichen Befunden bei mir der Begriff 'Auren' erstmalig 2002 auftrat, so trat die Diagnose der Epilepsie erstmalig 2014 auf. Ich betrachte sie allerdings als Nebeneffekt.

Jetzt bin ich nicht mehr so oft unterwegs und lebe nicht allein (das Berufsleben ist beendet). Hierdurch konnten schon so einige kritische Situationen gemindert werden. :-)

Deine Frage bezüglich der Anfallskontrolle und des Inneren Ausgleiches würde ich folgendermaßen beantworten. Eine Kontrolle gibt es nicht. Es gibt nur ein 'Davor' und ein 'Danach'. Sollte es bei einem Anfall 'nur' zu einer Bewußtseinseintrübung kommen, so bleiben für dem Betroffenen jegliche Kontrollen unerreichbar. Was die Frage der Auren betrifft ist sehr spekulativ. Ich kann sie registrieren und mein Verhalten anpassen oder sie ignorieren. Anpassen bedeutet hier, ich senke den auf mich einwirkenden Signalstrom (angepasste Aufgabenplanung, Hektik vermeiden, Kontrolle der eigenen Emotionen, mediale Einflüsse begrenzen; Sonderfall bei mir: Blutdruck). Ich hatte Auren auch schon ignoriert. Das geht aber nicht immer gut...Ich durfte dafür auch schon bezahlen.
Ich konnte bei mir die Auren unterschiedlich priorisieren, was auch halbwegs hilft. Ich darf aber dabei nicht vergessen, daß sich Prioritäten auch verschieben können. Letztendlich bin ich gezwungen aufzupassen.

Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit ein wenig weiterhelfen.

MfG Morti

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Desi, Freitag, 12. Januar 2018, 11:44 (vor 217 Tagen) @ morti

Hallo Morti,

dein Bericht hilft mir sehr.
Ich hab jetzt einen besseren Einblick in die ganze Thematik.
Was du beschreibst kann ich mir vorstellen und verstehe nun besser wie es sich für euch anfühlt.

Ich danke dir vielmals für deine Antworten und die Zeit die du damit investierst hast.


Viele Grüsse

Désirée :-)

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pegasus, Dienstag, 09. Januar 2018, 11:32 (vor 220 Tagen) @ Desi

Man sollte die Rettungsassitenten generell darauf hinweisen, egal wie viel Sie glauben über Epilepsie zu wissen, Sie wissen doch rein gar nichts, denn dafür ist das Spektrum an Anfallsformen schlicht und ergreifend zu hoch. Es gibt halt nicht die Epilepsie, sondern die EpilepsieN.

So kam es bei einem meiner Anfälle dazu, dass ich aufgefordert wurde mich hinzusetzen und das trotz des Umstandes, dass ich sagte, dass ich eine epigastrische Aura hatte und das hinsetzen hatte zur Folge, dass ich in einem durch direkt weiter zu Boden ging und nach der Widererlangung meines Bewusstseins Sprachschwierigkeiten hatte sowie nur mit Mühe und Not, einem endlich herbeigerufenen Notarzt, dazu brachte in meinen Unterlagen im Regal zu suchen, wo der Bericht aus Bethel zu finden war, was selbigen dann veranlasste endlich etwas zur Anfallsunterbrechung zu spritzen.

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Desi, Dienstag, 09. Januar 2018, 14:34 (vor 220 Tagen) @ pegasus

Hallo pegasus,

vielen Dank für deine Antwort.

Es tut mir wirklich Leid, dass der Einsatz damals so schief lief.
Aber genau das was du erzählst ist der Grund weshalb ich die Facharbeit über dieses Thema schreibe.
Leider lernen wir wirklich nicht sehr viel in der Ausbildung über das gesamte Thema Epilepsie. Im Prinzip nur das was im Einsatz "wichtig" ist.
Das man die Aura und die damit verbundene Möglichkeit schneller und effektiver zu handeln dabei ausser Acht lässt verstehe ich selber überhaupt nicht.

Ich hoffe du hast danach angenehmere oder lieber keine weiteren Zusammentreffen mehr mit dem Rettungsdienst gehabt.
Es ist auch immer schwierig. Wir sind zum Glück nicht alle gleich in unserem Verhalten.

Viele Grüsse
Désirée

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sandytimmy, Dienstag, 09. Januar 2018, 16:21 (vor 220 Tagen) @ Desi

Ich kann aber verstehen dass nicht so viel darüber gelehrt wird.
Wenn man über alle Krankheiten die lebensgefährlich sein können ALLES lernt müsste man ja 10 Jahre lernen.
Notdienst kommt ja von Not und die meisten epileptischen Anfälle sind ja kein Notfall.
Verletzungen die ich in 37 Jahren hatte:
Einmal hatte ich an drei fingerknöcheln brandblasen weil ich die auf eine Herdplatte geleht hatte. Drei brandblasen, not ist was anderes

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pegasus, Dienstag, 09. Januar 2018, 20:41 (vor 220 Tagen) @ Desi

Es geht nicht darum, dass Sie etwas lernen, die tun allesamt so als würden Sie aufgrund von einigen miterlebten Anfällen alles über die Erkrankung wissen. Dass das nicht möglich ist, ist mir durchaus bewusst, aber man sollte denen eintrichtern, dass nur weil man hier und da mal einen Anfall miterlebt hat, bedeutet es nicht, dass es überall genauso läuft!

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sandytimmy, Dienstag, 09. Januar 2018, 23:06 (vor 220 Tagen) @ Desi

Eine einzige Erfahrung hab ich mit Rettungsdienst.
Ich war mit meinen beiden Zwölfjährigen Söhnen auf einem Stadtfest. Da waren die vom Rettungsdienst 'auf Streifen' rein prophylaktisch.
Ich bekam einen Anfall und ein paar ältere Damen meinten unbedingt den Rettungsdienst zu rufen obwohl meine Söhne betonten dass das nicht notwendig ist.
Trauriges ergebnis: ich kam nach 2-3 minuten zu mir,in dem Moment kam der Rettungsdienst. Ich sah in dem Moment nur diesen riesen rucksack von denen, bekam grundlos Angst davor und Krieg seitdem beklemmungen wenn ich diesen Rucksack sehe, auch wenn es nur im Fernsehen ist.
Die Omas könnte ich jetzt noch ohrfeigen obwohl es gut gemeint war. Meine Söhne sagten doch dass das normal und nach ein paar Minuten vorbei ist.
Mein Neurologe sprach von posttraumatischer belastungsstörung. Obwohl nichts an dem tag geschehen ist.

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Desi, Mittwoch, 10. Januar 2018, 16:23 (vor 219 Tagen) @ Desi

Offensichtlich hinterlassen wir Rettungsdienstler keinen besonders guten Eindruck.
Das habe ich jetzt so nicht erwartet.
Das viele von uns oft schlecht gelaunt, arrogant, gehetzt oder unfreundlich rüber kommen war mir schon klar. Allein von den Kollegen die ich kennen lernte.
Aber das sie alles über einen Kamm scheren und denken jeder Krampf wäre gleich ärgert mich nun doch sehr. Rein vom Logischen her ist dies nicht möglich. Jeder Mensch ist anders, jeder Patient ist anders. Keine Krankheit eines Patienten gleicht der Krankheit eines anderen. Das ist Grundwissen. Das bekommen wir in den ersten Ausbildungsstunden gelernt.
Es tut mir Leid das der Eindruck entstanden ist, dass wir alle so sind.
Ich kann aber versichern das dies nicht auf alle so zutrieft.

Die Sache mit dem roten Rucksack ist auch ziemlich blöd gelaufen.
Der Gegenstand der helfen soll bzw dessen Inhalt sollte keine Angst auslösen.
Ich hoffe das dann wenigstens nicht noch gegen deinen Willen auf der Strasse an dir herum therapiert wurde.

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sandytimmy, Mittwoch, 10. Januar 2018, 17:51 (vor 219 Tagen) @ Desi

Nein wurde nicht.
Für die Angst kann der Rettungsdienst auch nichts, ist weil man einen filmriss in der bewusstlosen Phase hat und dann solche signalfarben einem einen Schreck machen können.
Auch die Situation war ja doof. Daheim bleiben alle entspannt oassennur ein bisschen auf dass man keinen Unsinn macht.
In dem Moment waren da nur Laien die ängstlich und hektisch waren, das muss man erstmal raffen wenn das Bewusstsein zurück kommt.

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Desi, Freitag, 12. Januar 2018, 11:49 (vor 217 Tagen) @ sandytimmy

Passiert das denn oft, dass Laien überreagieren?
Also wenn ein Anfall in der Öffentlichkeit kommt und geschieht.
Oder sind das nur einige Momente?

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sandytimmy, Freitag, 12. Januar 2018, 23:00 (vor 217 Tagen) @ Desi

Bei mir war es nur viermal in meinen über 30 Jahren. Allerdings ist es nicht oft passiert dass ich einen Anfall hatte wo ich allein unterwegs war.
Meine Angehörigen erzählen dass die meisten nervös und unruhig die Lage beobachten. Komplex fokale Anfälle sind eben nicht so wie die Mehrheit sich das vorstellt

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Desi, Sonntag, 14. Januar 2018, 12:39 (vor 215 Tagen) @ sandytimmy

Geht man denn gezielt nicht mehr alleine weg (zum Einkaufen oder Freizeitaktivitäten oa) oder lässt man sich von der Diagnose weniger beeinflussen?
Ich kann mir vorstellen der Alltagstrott von vorher ist nicht mehr ganz so weiterführbar.

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sandytimmy, Sonntag, 14. Januar 2018, 15:16 (vor 215 Tagen) @ Desi

Ich tu und lass alles so wie es immer war.
Ich habe aber auch schon 38 Jahre Anfälle nur eine ca. 8jährige Zeit der anfallsfreiheit.
Das ist denk ich ein entscheidender Punkt wenn man mit fast 40 schon 38 Jahre Erfahrung gesammelt hat.
Der Punkt "von kindheit an" spielt bestimmt eine große Rolle.
Meine Söhne gehen damit auch bedeutend entspannter um als Erwachsene. Kennen Sie ja nicht anders.

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

pegasus, Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:07 (vor 219 Tagen) @ Desi

Du magst vielleicht in der Lage sein, logisch zu denken, aber die Sanitäter bzw. Assistenten glauben aufgrund ihres doch wenigen Wissens, dass sie ausgebildete Ärzte seien bzw. mit diesen gleichgestellt sind.

Das Beispiel was ich nannte, war 2015. Wenn ich jetzt noch weiter zurückgehe, dann kommen wir ins Jahr 2004 und da hatte ein Rettungssanitäter so getan als wäre er der Ärztegott schlechthin und brachte es fertig mich in der Chirugie einzuliefern, obwohl ich nicht ganz bei Bewusstsein war und das führte dazu, dass sie mir den Finger in den Hintern steckten, um zu "testen", ob ich wirklich weg bin. Dass die auf der Station darauf eingestiegen sind ist das perfideste Überhaupt.

Ich könnte noch mehr solche Sachen erzählen, wo dann vollkommen medizinisch ungebildete Menschen unterstellten ich würde "simulieren" und die Sanitäter haben diese Ansicht dann einfach mal übernommen etc pp.

Ich fühlte mich manchmal richtiggehend für **** verkauft, anders kann man es nicht mehr sagen. Erst seit dem ich in Bethel war, hat sich sowohl die Aufklärung durch meinen Neurologen, wie auch das Verhalten der Sanitäter verbessert, denn keiner von denen stellt die dort gestellten Diagnosen in Frage und das finde ich das eigentlich traurige.

Obwohl wir es sind, die am besten über unsere jeweiligen indivuellen Epilepsien bzw. Erkrankungen Bescheid wissen, werden wir behandelt wie unmündige kleine Kinder, wobei wenn mir jetzt jemand so kommen würde wie 2004, den würde ich ohne mit der Wimper zu zucken anzeigen.

So etwas geht einfach nicht!

Und auch wenn es mit deinem Thema nur indirekt zu tun hat. Manche Krankenschwestern, Pfleger, Arzthelferinnen legen das gleiche Verhalten an den Tag, nach dem Schema: Ich arbeite im medizinischen Bereich und weiß daher besser Bescheid darüber und das obwohl nicht einmal normale Neurologen alles über diese Erkrankung wissen.

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Freitag, 12. Januar 2018, 11:57 (vor 217 Tagen) @ pegasus

Bei dem was du erlebt hast verstehe ich das du sauer bist.
Vor allem weil auch Krankenhauspersonal schlecht mit dir umgegangen ist.
Schade das die schlechten Erinnerungen überwiegen. Ich hoffe irgendwann kann dir jemand zeigen, dass es auch gescheite Rettungsdienstler gibt. Obwohl ich dir natürlich auch wünsche das du keinen Rettungsdienst mehr brauchst.

Ich danke dir ganz doll für den Einblick.
Deine Schilderungen werden auf jeden Fall einen wichtigen Punkt in meiner Arbeit einnehmen.

Viel Grüsse

Désirée

"Satan Anwalt" für Sanitäter

mezeg, München, Donnerstag, 11. Januar 2018, 20:38 (vor 218 Tagen) @ Desi

Was Pegasus erlebt hat, ist in keinster Weise zu akzeptieren. In diesem Fall hätte ich sofort Anzeige gemacht. Verletzung der persönlichen Unantastbarkeit oder wie es juristisch korrekt heißt.

Ich wollte mich nicht einbringen, eine Verallgemeinung über Rettungssanitäter finde ich aber nicht angepasst. Zu oft höre über „DIE“ Radler Kritik, Abwertung, Verurteilung etc. Ja, es gibt Radler-Rowdys, grundsätzlich viel zu viel, manche „einfach“ weil sie nicht aufgepasst, nicht überlegt hatten, andere ICH bin! Als tägliche Radlerin ärgere ich mich oft genug über solche A…, die mich in Schwierigkeit / Gefahr bringen. Es sind aber nicht alle! Und ich fluche nicht über „DIE“ Autofahrer, da gibt es auch solche und solche.

Das gleiche bei Rettungssanitätern.

Bin nicht ganz „ohne“ Beziehung, hatte zwei Jahre Medizin studiert, die ältere Tochter ist Rettungssanitäterin, zuerst ehrenamtlich dann hauptberuflich. Ihr Mann auch. Kurse über Erste Hilfe hatte ich lang vor meinen jetzigen Problemen gemacht.

Bei den zwei Anfällen nach der OP war ich alleine und bin bewußtlos ins Bett gegangen. Das dritte Mal spielte ich mit der jüngeren Tochter Karten auf dem Balkon. Eine sonderbare Antwort hat sie beunruhigt, sie hat probiert mich ins Zimmer irgendwie hinzubringen.Zu spät. Sie hat angerufen, aber die 110, der Sanka kam etwas später. Ich wachte in einem sonderbaren Licht auf, dann rechts von mir Sanitäter vom RK, dann großen roten Koffer – ich dachte Sauerstoff – „Wieso Sauerstoff, ich brauche doch nicht!“ - , dann die ältere Tochter – „aber die war doch nicht da!“- , dann jüngere Tochter mit sehr intensivem Blick, dann zweiten Sanitäter. Der erste Sanitäter sprach mich mit Namen an, eine Weile konnte mich nicht in Wörtern ausdrücken. Mitkommen wollte ich nicht, die ältere (eben RK-) Tochter war sehr autoritär, nur aus Müdigkeit habe ich aufgegeben. Die zwei Sanis war erstaunlich reserviert, beide Kollegen von ihr. Ich wollte Medikamenten mitnehmen, sollte ich doch im KKH eine Weile bleiben. Sie hinderte mich daran, ich war zu schwach, um mich durchzusetzen. Sie darauf bestand, mich im KKH dann abzuholen. Als ich sie dann anrief, musste ich sehr, sehr lange warten. Sie nahm sich viel Zeit, um ihren Sohn ins Bett mit Geschichte etc. zu bringen. Im Auto verbot sie mir das Radfahren sehr autoritär, laut, kategorisch. Habe ich ihr gesagt, sie sollte endlich schweigen, ich würde sonst die Tür aufmachen und vom Auto springen. Auf einer Schnellstraße. Ich war nah dran, die Tür zu öffnen, um endlich keine Stimme mehr zu hören. Hat sie wohl dann realisiert und geschwiegen. Als berufliche Rettungssänitäterin! War sie so gefährlich negativ weil im „Zivil“ und ihrer Mutter gegenüber? Oder auch so im Dienst mit Patienten, die sich nicht wehren können? Weiß ich nicht.

Im Sanka sagte ich dem Sani, es sei mir übel. Er reichte mir eine Schale, habe ihm aber gesagt, er sollte mir lieber was „harmloses“ erklären. Sofort fing er an, mir von seinem Besuch in Paris zu erzählen. Perfekt ausgewähltes Thema, ich konnte einfach mitreden und die Übelkeit vergessen. Wie er so schnell, so natürlich, reagierte konnte, bewundere ich immer noch.

Zweiten GM-Anfall auf Rad, als ich eine kleine Tour leitete. Lt. Teilnehmern etwa 2 km „sprachlos und bewusstlos“ weiter geradelt. Sogar eine Abbiegung richtig genommen, kurz „aufgewacht“ und gemerkt, dass ich zu nah am Rand fuhr und korrigiert. Dann lt Teilnehmern vom Rad abgestiegen, wurde hingelegt und krampfte dann. Vom Sanka bleibt mir ein Horror-Bild: kaum an der Oberfläche, mit einem Mann in Rot kämpfend, der mir ersticken wollte. Aus dem Bericht klar zu verstehen: ich war sehr unruhig und wurde sediert. Der Sani hat mir wohl die Nase zugehalten, um mir das Medikament in den Mund zu spritzen, tröpfen o.ä. War richtig, bleibt mir als Albtraum aber sehr belastend.

... Fortsetzung folgt

"Satan Anwalt" für Sanitäter - Folge

mezeg, München, Donnerstag, 11. Januar 2018, 20:39 (vor 218 Tagen) @ mezeg

Dritten GM-Anfall, na ja, auf dem Rad… Ein Fußgänger kam plötzlich hinter einen Wand, Vollbremsung, bin auf den Lenker gefallen und umgekippt. Zuerst nur „geschockt“, dann komisches Absacke-Gefühl, habe das Rad von dieser etwas einsamen Stelle geschoben, mehrere Leute mir entgegen gesehen und gedacht: „Mehrere ist besser als nur einen“ – irgendwie: nicht bestohlen, nicht falsch behandelt. Fühlte wohl „unbewusst“, dass der Anfall kam. Im Sanka bin ich kurz in einer „fremden Welt“ aufgewacht, ein Mann in blau mit gegegnüber mit sehr intensivem Blick auf mich. Irgendwie erstaunt, unsicher.
Als er mich im Krankenhaus vom Sanka runtergerollt hat, hat er dem Krankenpfleger meinen Rucksack überreicht, dazu "jemand hat mein Rad abgesichert". Eine für mich sehr wichtige Information. Habe ich sogar verstanden...:-D

Der sehr nette Krankenpfleger kniet, um an der Höhe meines Gesichts zu sein – also keine Bedrohung von oben. Fragt wie übelich nach Vor-, Nachnamen, Geburtsdatum, worauf ich postwendend korrekt antworte. Dann fragt er, ob ich von der Liege auf dasm Rollbett kommen kann, er hilft mit. Dann führt er mich zu einem kleinen Zimmer, es stand eine (nette) Ärztin und er bleibt??? Übersetzt, was die Ärztin fragt, was ich antworte. Erst nach einer Weile habe ich verstanden, dass er Franzose war und ich effektiv eine Weile kein Deutsch verstand / sprach. Wenn schon bei Einlieferung im Krankenhaus ein französischer Krankenpfleger bereit steht, wurden sie vorher darüber informiert und dies nur vom Sanka möglich. Habe ich vielleicht im Sanka etwas „muttersprachlich“ gesagt? Oder aufgrund des Ausweises? Auf jedem Fall sehr effizient.
Na ja, ein kleines Pflaster hatte ich am Unterarm und es hat etwas geblutet. Wohl um die Reaktionsmöglichkeit zu testen. Das war aber vollkommen korrekt!

Vierten GM – ebenfalls auf dem Rad und in Österreich. Die Sauerstoff-Maske hat mich wohl schnell an die Oberfläche gebracht. Reaktionstest: Ein Sanitäter auf mich gebeugt, streichelt leicht die Wange. Hübscher Kerl auch noch… :-D :-D Gute Ware kann man auch im fortgeschrittenen Alter bewerten.

Seine Kollegen sprachen mich auch an: „Frau …, bleiben sie bei uns“ o.ä.
Im Sanka wurde ich angesprochen, musste hart kämpfen, um zu „Ich bin Französin“ auszusprechen. Deren Dialekt war mir kryptisch, ich wollte signalisieren, dass ich nur deswegen nicht antwortete.

Bei der Ankunft im Krankenhaus habe ich an dem Gurt gefummelt, ein Sanitäter wollte mich sanft davon abhalten. Habe gesagt, mir ist heiß, ich möchte die Jacke ausziehen, hat er sofort den Gurt gelöst.

Diesmal auch gute bis sehr gute Erfahrung mit den Sanis.

Als Ersthelfer hatte ich sie „davor“ mehrfach erlebt. Eigentlich sachlich, effizient. Einmal war sie etwas „brüsk“. Der Patient schlief über Nacht auf einer Wiese mit Bodenfrost. Ich sah ihn zufällig und brachte aufzustehen und mit mir zum Radweg zu kommen. Betrunken und unruhig, Italiener nach dem Oktoberfest... War wohl richtig, dass sie Autorität zeigte. Sie sprach auch noch italienisch..

mezeg

"Satan Anwalt" für Sanitäter - Folge

Desi, Freitag, 12. Januar 2018, 12:46 (vor 217 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg.

Danke für deine Antwort.
Das du hauptsächlich gute Erfahrungen mit dem Rettungsdienst gemacht hast heitert mich nun auf. :-)

Aus persönlicher Erfahrung kann ich dir sagen, dass wir meist mit unseren Angehörigen etwas strenger umgehen.
Mein Opa hatte vor ein paar Jahren eine Blutung im Kopf. Noch heute halten mir alle vor ich wäre zu streng damals gewesen und hätte zu viel mit ihm im Nachhinein geschimpft weil er nicht erzählt hatte, dass ihm 3 Wochen vorher eine Leiter auf den Kopf gefallen war. Hätte er es gleich erzählt, wäre er uns nicht fast gestorben.
Bei Fremden bin ich viel entspannter, vielleicht auch einfach kühler. Da nimmt man es einfach so hin. Gibt dann ja Arbeit für uns.

Auch als mein Neffe sich den Kopf gestossen hatte und eine riesen Beule bekam bin ich schier durchgedreht. So schnell bin ich privat noch nie ins Krankenhaus gedüst.
Dazu muss man sagen er hatte keinerlei Bewusstseinsprobleme oder Ausfälle. Er hatte einfach nur die Beule und hat geschrien wie am Spiess. Was ja schon mal ein gutes Zeichen ist. Letztendlich war es auch nichts schlimmes.
Bei fremden Kindern bin ich nicht so. Das geht mir nicht so nah.

Bei Angehörigen ist auch einfach immer alles viel schlimmer. Jede kleine Verletzung schreit nach lebensbedrohlich :-D Wir meinen es ja nur gut und wollen unsere Lieben ja nicht verlieren.

Du siehst also deine Tochter meint es nicht böse.

Nochmals vielen Dank für deine Antwort.


Viele Grüsse

Désirée

"Satan Anwalt" für Sanitäter - Folge

mezeg, München, Freitag, 12. Januar 2018, 19:01 (vor 217 Tagen) @ Desi

nein, so einfach ist es nicht. Sie ist sehr dominant, und es ist nicht nur meine Meinung. Normal kann ich genug opponieren, da war ich zu ausgelaugt. Heftige Diskussionen, die sich im Kreis drehen, sind mir seit der OP nahe dem Sprachzentrum sehr belastend. Auch sonderbar, daß sie "regierte" anstatt mit ihren zwei bekannten Kollegen zu kooperieren. Sie blieben sehr still, dabei wurden sie doch angerufen und trugen daher die Verantwortung.

Ich kann sehr wohl bei Bedarf Autorität einsetzen, z.B. vor sehr langer Zeit. Meine zwei Kinder und die zwei von Freunden hatten in einem Zimmer den Schlüseln zugedreht, nur mit Schlitzfenster. Die Tochter (6 Jahre) der Freundin war wohl der Übeltäter und heulte verzweifelt. Mein Freundin auch. Dann habe ich übernommen: "Hör auf zu heulen, dreh fest an die Schlüssel, das schaffst Du! Mach schon!" Weiter heulend hat sie es doch probiert und geschafft. Dann war sie stolz.
(dabei war sie nicht der Übeltäter sondern eine zweijährige...)

Als ehrenamtliche Tourenleiterin habe ich "begründete" Autorität angewendet: Vor dem Start die Spielregeln und deren Grund erklärt und dabei geblieben, es sei denn die Umstände ändern sich. Manchmal die Gruppe auswählen lassen: "Wir haben ein gutes Zeitpolster, also direkt zum Ziel oder Kaffeepause... in dieser Wirschaft gibt es Champagner-Torte..."

Mehrere hätten mich gerne wieder: "Bei Dir weiß man, woran man ist"

Auch Erfahrung als Ersthelfer. Notwendigkeit schwer wiegender medizinischer Hilfe gab es nie. Vielmehr Management. Zustand schnell abschätzen und Aufgaben verteilen: Stelle absichern, 112 anrufen - hatte nicht immer ein Handy dabei -, jemand zu einer sicheren gut einsehbaren Stelle, um den Sanka gezielt zu winken. Bekommen sie eine Aufgabe, konzentrieren sich darauf und "stören" nicht mehr. Selber mit den Anwesenden und Zeugen reden, um die Vorgeschichte zu ermitteln und gleichwohl denen Ruhe und Sicherheit zu vermitteln (Auch wenn ich selber nicht so sicher war, daß alles klappt...)

Ich wurde einmal gefragt: "Sie sind doch Ärztin, oder?" :-D :-D :-D
Es war keine dramatische Lage: kleine Gruppe guter Freunden nach fröhlicher Geburtstag-Party heimgeradeln und wohl etwas durcheinander, einer "umarmte" einen Pfosten.

VG
mezeg

Sanitäter - Folge

Heidi, Samstag, 13. Januar 2018, 10:12 (vor 216 Tagen) @ Desi

Hallo Desi,
was mir am meisten aufgefallen ist: Die Ärzte/Sanitäter schauen nie (wenigstens bei mir) in den Geldbeutel um den Notfallausweis zu finden. Da stehen alle wichtigen Sachen wie Medis, behandelnder Arzt, Art der Epilepsie drin. Ich bin oft selbst nur nach diesen Sachen gefragt worden und habe meistens falsche Angaben gemacht, weil ich nicht richtig bei Bewußtsein war. Das kann fatal sein, ich hatte letztes Mal eine Überdosis Tavor bekommen und war fast 2 Tage orientierungslos. Beispiel: Ich lag in der Notaufnahme, hatte starken Harndrang. Konnte aber nicht sprechen. Da ich mit dem Unterkörper zuckte und schließlich Wasser ließ, meinten die Ärzte ich hätte einen GM bekommen. Sie gaben mir nochmal eine Dosis Tavor, das gab mir den Rest.
Lieber Gruß
Heidi

Sanitäter - Folge

mezeg, München, Samstag, 13. Januar 2018, 12:50 (vor 216 Tagen) @ Heidi

bei mir wurde auf jedem Fall im Geldbeutel nach der Gesundsheit-Karte gesucht, worauf der Zettel mit den Informationen gewickelt ist. Auf der vorderen Seite steht das Wort "Epilepsie" groß geschrieben, kann nicht übersehen werden. War ein Rat von Huge88.

Das erste Mal hatte ich es noch nicht. Ich war mit ein Paar Bekannten unterwegs. Sie wußten nur, daß ich an einer Gehirn-Tumor operiert wurde, haben eine gemeinsame Freundin angerufen. Sie wußte Bescheid. So wurde die Information schnell weiter gegeben.

Das zweite Mal war ich allein - aber mit Info auf der Gesundsheitkarte. Über das Krampfen und daher vermutliche Epilepsie wurden die Sanis auch von Zeugen informiert, steht im Bericht. Den Info-Zettel über die Gesundheitkarte gewickelt, wurde mir bei der Entlassung nicht zurückgegeben, die Karte auch nicht gleich. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so ein Zettel ungelesen einfach weggeschmissen wird.

Beim dritten Mal weiß ich von einer Zeugin, daß der Zettel aufmerksam gelesen und eben als "hervorragend" bewertet wurde. Die Freundin hatte nicht meinen Beutel oder wenigstens das Porte-Monnaie gegeben, worin man es hätte übersehen können, nur die Gesundsheit-Karte. Das wollen sie alle!

Ich will aber nicht ALLE Sanis als Engel loben. Sind gewißt nicht immer geduldig, freundlich oder zumindest höfflich-sachlich. Mir ist von einem ganz anderen Fall erzählt worden. Die beide Sanis waren bei der Reanimierung, einer hat plötzlich gesagt "Er ist sowieso tot, lohnt sich nicht!" Darüber darf nur der Notarzt entscheiden. Es handelte nicht um einen Fall in der Wildnis, ohne Hoffnung auf Notarzt oder wenigstens Hilfe oder wenn der Sani wirklich erschöpft zur Seite fällt. Gut möglich, daß sein Kollege ihn entsprechend "ansprach" oder der Notarzt gerade kam.

Die Quelle ist absolut zuverlässig. Daß dieser Sani dann "verschwand" auch.

Aber natürlich nicht ALLE sind gut, nicht ALLE sind schlecht. Ich hatte aber immer die "richtigen" erwischt.

mezeg

Sanitäter - Folge

Desi, Sonntag, 14. Januar 2018, 12:53 (vor 215 Tagen) @ Heidi

Hallo Heidi,

Danke für deine Antwort.

In der Regel schauen oder fragen wir immer nach der Versicherungskarte. Wenn wir die haben können wir bzw das Krankenhaus die persönlichen Daten schneller abrufen und wir müssen dies nicht nachfragen sondern können uns auf das Wichtigere konzentrieren, nämlich der Patient. Obwohl zur Beurteilung der Orientierung und des neurologischen Standes die Nachfrage der Daten sehr hilfreich ist.

Der Hinweis alle wichtigen Informationen an die Karte zu heften ist sehr gut. Suchen wir die Karte und finden diese, haben wir auch gleich die relevanten Infos.
Es kommt nur drauf an wie heikel die Situation grad ist. Bei der Rea fragt und schaut primär keiner nach der Karte.
Auch wenn der Patient noch krampft interessiert das weniger. Ist dieser dann allerdings allein, gehen uns die Infos verloren. Das stimmt wohl. Dann ist es noch schlimmer und trauriger wenn dann Überdosierungen mit Medis geschehen die eigentlich helfen sollen.

Aber prinzipiell ist das eine gute Idee.
Ich persönlich habe an meiner Versicherungskarte meinen Organspendeausweis und den Hinweis wo man meine Patientenverfügung findet angeheftet.
Ich hoffe das findet im Falle dann auch Beachtung.

Viele Grüsse

Désirée

Sanitäter - Folge

mezeg, München, Sonntag, 14. Januar 2018, 13:57 (vor 215 Tagen) @ Desi

Ich persönlich habe an meiner Versicherungskarte meinen Organspendeausweis und den Hinweis wo man meine Patientenverfügung findet angeheftet.
Ich hoffe das findet im Falle dann auch Beachtung.

Viele Grüsse

Désirée

Hallo Désirée,


Identitäts-Ausweis habe ich auch, in einer anderen durchsichtigen Plastik-Umschlag im Geldbeutel. In diesem Beutel:

- Ausweis als (ausrangierte...) Blutspender, relativ selte Blutgruppe

- Organspenderausweis. Warum soll ich Würmern etwas gönnen, daß anderen nützlich sein könnte? Wir hatten Ende April eine tragische Bestätigung. Eine Nichte brach plötzlich auf der Straße zusammen. Riß eines Aneurimus im Gehirn. Hoffnungslos. Ein gemeinsame Neffe war wegen eines medizinischen Kongress gerade in der Nähe, stand meiner Schwester bei. Sie hat am darauffolgenden Tag ihre Zustimmung zum Abschalten und Organspende gegeben. Wir haben es alle begrüßt, das Gefühl, daß sie irgendwo weiter lebt.
Sie war 47 Jahre alt.

Die Gesundheits-Karte mit umwickelten Infos habe ich in Plastik-Umschlag in einer kleinen Falte. Danach greifen sie natürlich zuerst.

mezeg

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

kernerin, Samstag, 13. Januar 2018, 12:52 (vor 216 Tagen) @ Desi

Hallo Desi,

ich kann Dir einiges erzählen, bin seit dem 2. Lebensmonat mit der Epilepsie betroffen. Bin jetzt schon über 40 Jahre. Habe mit der Epilepsie viel durchgemacht mehrere OP, Schrittmacher usw. Wenn Du mir Deine E-mailadresse hast, sende ich Dir gerne meinen Bericht über mein Leben mit Epilepsie zu, das ich im PC gespeichert habe. Da ich viele verschiedene Arbten an epileptischen Anfälle hatte, werde ich oft angesprochen/-schrieben ob ich einen Vortrag über Epilepsie machen würde. Wenn Du willst, das ich es Dir sende, gebe mir einfach die Mailadresse. Zum hier schreiben wird es mir zu viel. Viel Erfolg.
Gruß

Kernerin

Erfahrungsberichte für meine Facharbeit

Desi, Sonntag, 14. Januar 2018, 13:01 (vor 215 Tagen) @ kernerin

Hallo kernerin,

Danke für deine Antwort.

Das wäre wirklich super.
Meine Mail: desiree_schiela@web.de

Ich bin auf deinen Bericht gespannt.


Viele Grüsse

Désirée

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