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Schule und Lehrer - Epilepsie

-chevere-, Samstag, 28. Januar 2012, 18:49 (vor 1000 Tagen)

Hallo liebe User,

ich bin Epileptiker seit etwa 8 Jahren. Ich habe bereits verschiedenste Antiepileptika ausprobiert und werde aber nicht anfallsfrei. Mein Vorteil: Ich habe nur schlafgebunden Anfälle (wenn auch manchmal Grand-mal-Anfälle) bzw. in Aufwachphasen und bin dadurch gesellschaftlich eher unbeeinträchtigt bzw. es besteht kaum Gefahr bei mir, tagsüber einen Anfall zu bekommen. Nebenwirkungen nimmt man gerne in Kauf, wenn man nicht jede Nacht mit einem Anfall rechnen muss.

Ich bin Industriekaufmann, war bereits ein Jahr in Peru und habe einen Freiwilligendienst geleistet. Trotz meiner Epilepsie hab ich mich bisher nie davon abhalten lassen, Wege zu gehen die mir wichtig sind. Was mir gut tut, tut auch meiner Krankheitssituation gut. Ich stehe mitten im Leben und bin glücklich!

ABER:
Ich möchte studieren (Sonderpädagogik bzw. Psychologie oder Pädagogik) und mache deshalb gerade mein Abitur auf einer bayrischen Berufsoberschule nach.
Aufgrund meiner Anfallssituation fehle ich leider häufig in der Schule. Mir fällt es schwer bzw. es ist nervenaufreibend immer so viel nachzuholen. Stress fördert Anfälle aber ich möchte mein Ziel verfolgen und das Abi irgendwie durchziehen! Gott sei Dank war es nach mehreren Anfragen in der Schule dann möglich, zumindest nicht immer ein Attest holen zu müssen, wenn ich mal wegen eines Anfalls fehle. Ich habe ein Attest abgegeben, was meine Situation beschreibt. Das war schon mal das erste, wo die Schule anfangs noch "doof" getan hat.
Leider stehe ich in den Fächern Mathe und Deutsch sehr schlecht. Es besteht die Gefahr das Abi nicht zu schaffen. Gerade auch mit diesen beiden Lehrern habe ich irgendwie meine persönlichen Probleme. Ich bin unmotiviert mehr zu tun und beziehe glaube ich auch zu häufig alles auf meine Epilepsie. Dennoch bin ich mit 22 erwachsen genug, um mir nicht alles Gefallen zu lassen und Kontra zu geben, wenn Lehrer meinen mich von der Seite anmachen zu müssen. Ich möchte mein Abi natürlich nicht geschenkt haben, aber ich finde es nicht in Ordnung, dass man es einem schwerer macht, als es nicht ohnehin schon wäre. Ich muss vermutlich zu einer mündlichen Nachprüfung in Deutsch und den gesamten Jahresstoff wiederholen, weil ich ja so oft fehle. Ich fehle durchschnittlich alle 5-6 Tage mal. Alle anderen Lehrer bekommen es gebacken, mich auszufragen. Diese Lehrerin hatte auch schon des öfteren die Möglichkeit. Was mich am meisten daran stört ist, dass die Nachprüfung mit meinen Klassenkameraden an einem Tag diskutiert wurde, als ich aufgrund eines Anfalls die Schule wieder nicht besuchen konnte. Meine Klasse war hinter mir gestanden, meiner Meinung nach suchte die Lehrerin Bestätigung bei meinen Mitschülern, dass das alles doch gerechtfertigt wäre, schließlich würde ich so oft fehlen und hätte mehr Freizeit etc. Mein Klassenlehrer haut auch so Sprüche raus von wegen, wenn ich weiter so viel fehle, würde ich das Abi ja eh nicht bestehen.

Mir geht es in erster Linie nicht um eine Nachprüfung, da diese ja zu rechtfertigen wäre. Auch wenn andere Lehrer meine Situation vollstens nachempfinden können und Interesse an mir und meiner Epilepsie zeigen, sich in die Situation versuchen hineinzuversetzen und mich als normalen Schüler wahrnehmen, welcher ich ja auch bin. Mit guten und schlechten Noten, lebensfroh und mitten im Leben stehend.

Ich fühle mich diskriminiert und werde die Aussprache suchen. Vielleicht interpretiere ich auch zu sehr ins Negative. Dennoch zieh ich als Schüler immer den kürzeren. Die Lehrer die ich anspreche treten auch nicht als Pädagogen auf. Ich bin motiviert ihnen zu zeigen, was ich drauf hab. Ich möchte mir allerdings von diesen Menschen nicht Zeit stehlen lassen, indem ich das Abi vielleicht doch nicht schaffe. Ich wüsste auch nicht ob ich so ein Jahr nochmals bestehen würde. Ich mache viel für die Schule, aber es ist verdammt nervenaufreibend und stresslastig. Das Studium wird nicht einfacher, aber ich bin flexibel und befasse mich mit Themen, die mich ernsthaft interessieren und mir Freude bereiten!
Ich bin einfach verzweifelt und demotiviert. Leider weiß ich nicht, wie ich auf die Lehrer zugehen soll, die irgendwie mies mit mir umgehen. Ich bin weißgott kein Sensibelchen, aber ich werde das nicht so stehen lassen. Das ist unfair und diskriminierend. Am liebsten würde ich denen das so auch auf die Nase reiben, mitsamt meiner Emotionen diesbezüglich.

Könnt ihr mir vielleicht Tipps geben, wie ich am besten an eine Aussprache herangehe? Ich werde auch mal die Schulpsychologin um Rat fragen.

Liebe Grüße!

Euer -chevere- :)

Schule und Lehrer - Epilepsie

Green @, Samstag, 28. Januar 2012, 20:49 (vor 1000 Tagen) @ -chevere-

Hallo
wenn du nach dem auf wachen den Anfall hast...was passiert den dann
warum kannst Du dann nicht in die Schule gehen? In der Regel ist ja ein Grandmal nur einige Minuten lang und dann gehts weiter mit dem Leben bei dir scheint das anders zusein....der Unterrichtsstoff der von diesem Tag fehlt kannst Du den dir nicht nachmittags von Freunden holen/geben lassen.
Ansonsten glaubst du wirklich das du die Einzige bist die so behandelt wird wie du das beschreibst.....und wie würdest du deine Situation beurteilen wenn Du eben keine Anfälle hättest glaubst Du wirklich dann wäre alles besser und einfacher zulernen
Hast du schonmal Kontakt mit SHG oder Epilepsieberatungsstellen auf genommen und Dir Hilfe geholt? Adressen findest Du vorn auf den Seiten .
Respekt dafür das Du den Mut hast dein Leben so zu leben wie du das tust.

GRuss Green

Schule und Lehrer - Epilepsie

-chevere-, Samstag, 28. Januar 2012, 21:13 (vor 1000 Tagen) @ Green

GRuss Green

Hey Green,
also meistens bin ich noch garnicht wach sondern habe Anfälle kurz vor dem aufwachen, Stadium 1-2. Wenn ich ein Anfall habe bin ich hundemüde und schlapp und schlaf in der Regel erstmal ein paar Stunden weiter, je nach Härte des Anfalls. Ich habe keine Anfälle, bei denen ich nach Aufhören des Anfalls normal am Alltagsgeschehen weiter teilhaben kann. Ich bin dann einfach nur schlapp und regungslos, will einfach nur schlafen. Erschöpft und ausgepowert. Bei Grand-Mal-Anfällen natürlich noch mehr als bei anderen.
Ich bin auch nicht der Einzigste, dass stimmt. Unsere Haltung in der Klasse zu besagten Umständen ist überwiegend gleich! Das gibt mir auch ungeheuer Mut weiterzumachen und das Jahr nicht zu känzeln!
Die BOS ist mit und ohne Epilepsie kein Zuckerschlecken, das stimmt auch. Für meine Fehltage kann ich nichts und natürlich hole ich den Stoff nach, so gut es eben geht. Leider fehlen dafür auch häufig Unterlagen, weil man nicht immer Materialien bekommt sondern sich wie bei einem Studium auch selbst Notizen machen muss um besser klarzukommen. Die Stunden die ich für das Nachholen investerie fehlen mir tlw. wieder umgekehrt fürs Lernen. Hinzu kommen die Nebenwirkungen meiner Antiepileptika, dass ich häufig müde bin, viele Dinge vergesse bzw. einfach nicht immer konzentriert an der Sache bin. So detailliert wissen das die Lehrer auch garnicht. Ohne den Anfällen oder Nebenwirkungen würde es mir also natürlich leichter fallen zu lernen. Ob das dann das Bomben-Abi wäre ist die andere Frage. Mir geht es momentan eher ums Bestehen und die Tatsache, dass ich mich nicht hintenrum mies abstempeln lassen will. Ich erwarte lediglich Verständnis für meine Situation, mehr nicht!
Es ist klar mit meinem Haus-Neurologen bzw. klinischen Neurologen abgesprochen, dass ich die Schule machen will. Das geht so in Ordnung. Auch sonst bin ich über eine Epilepsieberatungsstelle gut informiert.
Lustig dass du mir deinen Respekt aussprichst. Ich habe einfach festgestellt, dass im Großen und Ganzen alles so vereinbar ist, wie ich es mir vornehme. Und ich habe sicherlich nicht vor stehen zu bleiben, sondern ein Schritt nach dem anderen vor den Augen. Gerade die Epilepsie hat mich dazu motiviert!

Schule und Lehrer - Epilepsie

Green @, Samstag, 28. Januar 2012, 21:29 (vor 1000 Tagen) @ -chevere-

Hallo
das Du Verständnis für Deine Situation erwartest...finde ich zwar verständlich ...aber das wirst Du wohl... wie Du ja schon oft Erfahren hast nicht.....nicht immer bekommen.Ich sage dann...Sie sollen es wenigsten respektieren das es so ist wie es ist auch wenn Sie es nicht verstehen.
Das mit den Anfällen klingt ja alles sehr anstrengend aber wenn Du medizinisch gut versorgt bist ...dann dauert Dein Abi vielleicht statt ein Jahr halt zwei wenn du es wiederholen musst/darfst. Ein andere Weg wäre für sich selber das so hin zunehmen wie es ist und eben einen anderen Beruflichen Weg einschlagen..auch wenns bitter ist.
Aber später kannst du vielleicht auch sehen das es mutig war/ist den Weg zuändern.
Gruss Green

Schule und Lehrer - Epilepsie

-chevere-, Samstag, 28. Januar 2012, 21:40 (vor 1000 Tagen) @ Green

Mein Motto ist eh: So wies kommt wirds richtig kommen :)
Momentan hoffe ich einfach, dass es so kommen wird wie ich es mir vorstelle, sprich das Abi zu schaffen. Einen zweiten Versuch würd glaube ich nicht mehr machen. Dafür ist mir das zu stressig und anstrengend den gleichen Weg nochmals zu gehen.
Ich habe ja Gott sei Dank auch eine Ausbildung, auf die ich aufbauen könnte.
Wir werden sehen, jetzt werd ich erstmal das Gespräch suchen, wobei die Lehrerin wahrscheinlich eh auf mich zukommen wird.

Alles Gute dir und Danke! :)

Schule und Lehrer - Epilepsie

Musica, Sonntag, 29. Januar 2012, 19:27 (vor 999 Tagen) @ -chevere-

Hallo chevere, wenn man Deinen Schriftwechsel verfolgt, hast Du ja eigentlich schon an alles gedacht und Lösungen parat. Du gibst Dir viel Mühe und kämpfst für das Ziel Abi um später zu studieren. Mit dem Abi ist das nicht zu Ende, beim Studium wirst Du es nicht leichter haben als jetzt.... lG, Musica

Schule und Lehrer - Epilepsie

teilchenschubse @, Mittwoch, 01. Februar 2012, 11:49 (vor 997 Tagen) @ Musica

Ich muß Musica hier zustimmen.
An der Uni oder FH wartet noch viel mehr Lernstreß auf Dich (wenn Du eine Präsenzuni wählst).

Bist Du darauf festgelegt, das Abi ausschließlich in Bayern zu machen?
Gibt es nicht vielleicht Anrechnungsmöglichkeiten?
(Ich hab keine Ahnung, da ich das Abi auf dem ersten Bildungsweg gemacht habe.)

--
Ich habe das Asperger-Syndrom und manchmal eine Meinung, die nicht allen gefällt. ;o)

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