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Sprachstörungen / Verständnisstörungen bei Epilepsie

mezeg, München, Montag, 16. März 2020, 10:28 (vor 19 Tagen) @ Niiina

bei mir kommt es wohl von der OP 2010 an einem links-temporal Meningeom, an der Sprachstelle nah angelegt.

Ich wußte vorher über diese mögliche Komplikation ausdrücklich informiert. Als ich nach der OP ich langsam an die Oberfläche kam, habe ich realisiert, daß ich mit der Krankenschwester wohl deutsch gesprochen hatte. Habe dann für mich französisch gesprochen. Auch o.k. In der Früh war der Krankenpfleger Italiener, dann habe ich italienisch versucht. Auch das o.k.

Dann für mich etwas englisch gesprochen. Ich lese Bücher in englisch ohne Wörterbuch, beim Reden allerdings...

Beim ersten Versuch vom Chef-Arzt, fragte er nach der Sprache. Mein Chirurg sichtlich stolz sagte: "Die Patientin spricht fünf Sprachen" - falsch, nur vier. :-D :-D

Dann fragte der Oberarzt, ob ich linkshändlerin sei... Eigentlich nicht, aber einzelne Bewegungen schon.

Später hatte ich Schwierigheit beim Lesen, ich konnte das gerade gelesene mir nicht merken, mußte den Absatz wieder vom Anfang ran nehmen. Nicht immer erfolgreich.

Bei Verstehen/Reden manchmal ähnlich Schwierigkeit: Wird zu viel, zu schnell gesprochen, verstehe ich oft nur bis zu einer gewißen Stelle. Der "Vorraum" hat wohl nur eine begrenzte Kapazität.

Bei Reden bleibe ich manchmal in einem Satz stecken: Die Wörter finde ich nicht, manchmal nur verwirrt, wie durch Nebel. Vielleicht habe ich dabei Unsinn gesprochen, ich weiß nicht was.

Als ich nach einem Anfall ins Krankenhaus gefahren wurde, sagte der Sani dem Pfleger mein Fahrrad sei an der Stelle fest gekettet. Das habe ich verstanden.

Der nette Pfleger fragte nach Vornamen, Nachnamen, Geburtsdatum, was ich sofort korrekt angab.

Dann führte er mich auf der Trage zu einem Untersuchungszimmer mit einer netten Ärztin. Erst dann habe ich realisiert, daß er Franzose ist / spricht und ich die Ärztin nicht verstand. Er hat als Dolmetscher fungiert.

Nach einer Weile habe ich angefangen, die Ärztin zu verstehen, konnte aber nicht in Deutsch antworten, der Pfleger hat meine Antworte weiterhin übersetzt. Dann ging es in Deutsch wieder.

So kraß war es nach diesem Anfall nicht mehr. In einer Streß-Situation aber schon etwas. Nebel, verzweilfelten Versuch etwas korrekt auszusprechen. Ich "fühle" den Satz, kann es nicht in Worten denken / reden.

Habe mich dran gewöhnt. Nahe Bekannten wissen davon und warten gelassen, bis ich wieder rede. Manchmal ahnen sie, was ich eigentlich sagen will.

Und sonst kann ich mich mit der Sprachvielfalt rausmogeln... :-D :-D

mezeg

P.S. meine Tochter sagt oft, ich höre schlecht und sollte mir ein Öhrgerät anschaffen. Daß sie sehr schnell und vom einem Thema zu einem anderen vollkommen unerwartet springt, meine ich nicht als Einzige...


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