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Hallo ich bin neu hier und brauche eure Hilfe

nertari, Mittwoch, 24. April 2019, 16:22 (vor 117 Tagen) @ Lottelotte

Hallo Lottelotte

Deine Story erinnert mich ein wenig an die Zeit, als ich 14 war und bei mir die Epilepsie ausbrach. Heute bin ich 67!;-) Damals war ich auch völlig durch den Wind, und die Ärzte in Basel dokterten an mir herum, probierten alle möglichen und unmöglichen Medikamente aus. Von Keppra bekam ich Halluzinationen und dann, als die Dosis erhöht wurde, sogar einen Status epilepticus, der mit Valium unterbrochen wurde. Von anderen Medikamenten, die ich in grosser Zahl schlucken musste, wurde ich müde und eben auch panisch. Als nach Jahren gar nichts mehr ging, liess ich mich auf eigene Kosten (ich lebe in der Schweiz, und da bezahlen die Krankenversicherungen nicht so leicht Behandlungen im Ausland) in Kork einstellen. Damals waren dort noch Dr. Matthes und Dr. Schneble, heute ist Dr. Steinhoff der Leiter. Mit allen habe ich nur die besten Erfahrungen gemacht. Hier wurde ich auf eine Monotherapie mit wenig Rivotril eingestellt, die auch funktionierte, sobald ich endlich meine Epilepsie akzeptiert hatte. Ich denke, dies ist das Wichtigste für eine erfolgreiche Behandlung. Der Betroffene muss lernen, die Epilepsie als Teil seines Lebens zu akzeptieren. Dann weicht auch die Angst vor dem Anfall, so nach dem Motto "Epilepsie, na und?" Als ich das verinnerlicht hatte und zusammen mit dem Rivotril, ging es plötzlich prima: Studium erfolgreich beendet, steile Karriere im Versicherungswesen, endlich Führerschein, Familie - kurz ein völlig normales und erfülltes Leben. An die Epilepsie denke ich auch heute nach meiner Pensionierung nicht gross, sie ist eben ein Teil von mir. Ja, und? Meine Tochter hat die Epilepsie geerbt, so wie auch meine Geschwister und ich sie geerbt haben, doch sie hatte nie Probleme damit. Sie ist damit aufgewachsen, wurde ebenfalls in Kork medikamentös eingestellt und lebt ein völlig normales Leben mit noch weniger Einschränkungen als ich. So hatte ich z.B. mein Leben lang strikt auf Alkohol verzichtet - sie denkt gar nicht daran.
Wenn Dein Sohn allein nicht imstand ist, die Epilepsie als Teil seines Lebens zu akzeptieren oder zu sagen "So, jetzt grad erst recht!", sorg dafür, dass er sich professionelle Hilfe sucht, denn die positive Einstellung ist der Schlüssel zum Erfolg.
Liebe Grüsse
nertari


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