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spätes Erkenntnis

mezeg, München, Sonntag, 17. Februar 2019, 11:33 (vor 37 Tagen)

Epileptisch bin ich trotz hohes Alter erst seit kurzem. Bekannte auch langjährige fragen immer "wie es mir geht" und nach Details. Wie Gaffer. Ich fühle mich wie nur durch die Epilepsie wahrgenommen und ziehe mich immer mehr zurück.

Eine Freundin aus der Radlergruppe hatte mich immer zu ihrer Geburtstagfeier eingeladen, ihr Freund fragte mich bei aller Gelegeheit aus. Und weitere auch. Er meinte es gut, es war mir aber sehr belastend.

Ich habe mich dann immer ausgeredet. Kleine Kontakte hatten wir immerhin weiter.
Kurz vor Weihnachten ruft er mich an, natürlich mit der üblichen Frage, aber auch an meine Aktivitäten interessiert.

Vor kurzem habe ich beide nach einen Rat für ein Reise-Büro angemailt, sie waren schon damit gefahren. Natürlich sofort Antwort per Mail und dabei bei der Gelegenheit gefragt, ob ich zur Geburtstagfeier komme. Habe zugesagt.

Beide waren natürlich zu Begrüßung an der Tür. Fröhlich, freundlich. Er hat natürlich seine übliche Frage gestellt, ich habe es diesmal nicht negativ aufgefaßt, er kümmert sich doch um mein Wohlbefinden.

Und so lief der Abend. Viele, die mich direkt kannten oder vom "Dritten" es erfahren hatten, fragten schon nach meinem Befinden. Aber ohne diese "Neugier", die mich früher so verletzt hatte. Weil ich es noch nicht aktzepieren wollte oder weil sie von Epilepsie nicht genaues wußten und es besser wissen möchten. Oder beide.

Und es war für mich kein Problem mehr. Viele kannte ich von solchen Geburtstagsfeiern oder von der Radlergruppe, es kamm zu vielen Gesprächen allerlei Interesse.

Als ich mich irgendwo hinsetzte, war es zufällig zwischen zwei aus der Radlergruppe. Die eine hat mit mir über ihre ganze Prozedur gegen ein Brustkrebs und ihre latente Angst, daß es wieder kommt.

Die andere wurde zu uns geleitet. Sie ist vom Geburt aus blind, radelte auf Tandem, ihr gewohnte Pilot "ist aber nicht mehr da", es ist sehr schwierig jemanden zu finden. Also kein Radeln bis auf weiteres.

Ich habe sie zur Toilette geführt, und dann uns beide am Büffet - miam! - einen exquisiten süßen Teller komponiert.

Es war ein sehr schöner Abend. Und zwichen einer Krebskranken und einer Blinden fröhlich distukierend, habe ich gedacht: "Warum soll ich grübeln? Ich muß nur die Medikamenten ordnungsgemäß nehmen und starkem Psycho-Stress aus dem Weg gehen. Noch mögliche Anfälle sind selten und den echten Freunde geht es nur um meinem Wohl!"

mezeg

P.S. nur zu bedauern: einen zweiten Süßen Teller hätte ich doch komponiert sollen. ;-) ;-) ;-)


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