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Epilepsie und Cannabis konsum

Xmin, Mittwoch, 13. Februar 2019, 23:54 (vor 7 Tagen) @ Rosarose

Hi, Ich (34/M) hatte vor ca. drei Jahren meinen ersten Anfall (orientierungslosigkeit, Schweißausbrüche und stammeln). Vor zwei Jahren dann den zweiten, Aber den dann so richtig (Sehr heftiges verkrampfen. Dauerte 30min und war erst nach 48h wieder bei 100%). Letztes Jahr im Sommer dann nochmal mit Krämpfen. Ich rauche seit dem ich 15 bin sogut wie jeden Tag Gras. Ungefähr eine, zwei Joints taglich. Am Wochenende auch schonmal 4-5 Joints.
Ich weiss dass es selbst ohne Epilepsie Erkrankung zuviel Gras wäre. Vorallem aus finanzieller Sicht. Manche Monate sind es fast 300Euro die für Gras drauf gehen. Zum Glück verdiene ich gut.
Den allerersten Anfall habe ich nicht als Epilepsie wahrgenommen erst. Beim zweiten war es dann nicht mehr zu übersehen. Mein Neurologe riet mir eindringlich komplett mit dem Cannabis Konsum aufzuhören, Aber solang sich mein Altag nicht ändert ist es unmöglich davon weg zukommen. Es ist halt definitiv eine Sucht. Vergleichbar mit jemandem der über Jahre jeden Tag nach der Arbeit seine 2-3 Flaschen Bier braucht und sich dann am Wochenende evtl. auch noch richtig abschießt. Man kann von jetzt auf gleich damit aufhören wenn man einen Ausgleich für den Alltag findet (z.B. Sport oder ein anderes Hobby).
Wie bereits erwähnt wurde ist es in eurem Fall ganz wichtig das Gras langsam abzusetzen. Wer jeden Tag Gras konsumiert erleidet und von einen Tag auf den anderen damit aufhört hat die ersten 48h heftige entzugserscheinung (starkes schwitzen in der Nacht, Stimmungsschwankungen). Es reicht schon wenn man über zwei drei Tage jeden Tag die Cannabis Dosis um ein Drittel reduziert. Bis am vierten dann Garnichts mehr geraucht wird. An dem ersten Tag ohne Gras redet einem die Psyche ein Garnicht müde zu sein und nicht einschlafen zu können, Aber auch das ist nur Kopfsache und mit ein bisschen Sport wird man trotzdem müde genug.
Frag mal deinen Freund wann er das letzte mal richtig bewusst im Schlaf geträumt hat. Das ist bestimmt Ewigkeiten her. Es dauert ca. 1-2 Wochen bis alles aus dem Kreislauf raus ist und siehe da, dann wird er auch wieder richtig schlafen und vor allem träumen können. Das ist meiner Meinung nach eine der schwerwiegensten Einschränkungen welche durch taglichen konsum entstehen, neben der üblichen Trägheit und Vergesslichkeit.
Grade der richtige Schlaf ist für epileptiker seeeeeehr wichtig. Als es bei mir los ging mit den Anfällen, hab ich im Schnitt nur 5h pro Tag geschlafen. Mittlerweile achte ich mehr darauf genug zu schlafen.
Mit dem paffen aufzuhören muss definitiv vom Wille her passen. Wo kein Wille, da auch kein Weg. Wenn er es nicht zu 100% will und keinen Alltagsausgleich schafft wird er jedesmal innerhalb der ersten 1-2 Wochen wieder rückfällig und wieder weiter paffen.
Den Cannabis Konsum einzustellen ist definitiv der Gesundheit dienlich. Ist wie mit dem Glas Wein zwischen durch. In geringer Dosis und nicht täglich ist es OK und nicht sehr ungesund. Aber täglich in hoher Dosis ist definitiv ungesund.
Wie sagt man so schön "die Dosis macht das Gift".
Ich bin selbst ein mega Potthead und habe es nach meinem ersten Krampfanfall versucht einzustellen, aber das hat nicht lange gehalten. Mein Wille war nicht stark genug. Jedoch habe ich das Glück dass sich das Gras rauchen bei mir nicht unmittelbar auf die Epilepsie auswirkt. Nehme trotz eines Joints jeden Tag meine 750-0-750 Levetiracetam und es geht bisher ganz gut.
Also wie gesagt nicht das Gehirn mit einem drastischen Entzug überfordern, Lieber langsam das Gras (über 1-3 Tage) langsam runterdosieren und Sport als Ausgleich mitnehmen.
Kleiner Tip noch. Wenn er dir verspricht damit aufzuhören , aber der Wille nicht da ist, wird er es heimlich machen. So habe ich vor anderthalb Jahren meine Beziehung mit meiner Freundin zerstört. :-(
Langsam aufhören, den Kreislauf mit Sport als Ausgleich stabil halten und einen anderen Alltag entwickeln. Das über mindestens 2-3 Wochen. Bis der Graskonsum völlig ausm Kopf ist dauert es sogar noch länger (2-3 Monate)., vor allem wenn im Freundeskreis immer wieder die Verlockung da ist.

Grüße, Armin


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