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Vatervon2, Sonntag, 27. Januar 2019, 12:06 (vor 24 Tagen)
bearbeitet von Vatervon2, Sonntag, 27. Januar 2019, 12:53

Guten Tag liebe Forenmitglieder,

ich bin Vater von 2 Jungs (7 und 9) und mein älterer hatte am Mittwochabend gegen halb Neun einen ersten als solchen diagnostizierten Krampfanfall. Sein kleiner Bruder wollte bei ihm im Bett mitschlafen und hat uns Eltern gerufen, der große mache komische grunzende Geräusche und habe Schaum vor dem Mund. Ich habe erst gedacht, die beiden machen Spaß, um das Einschlafen heraus zu zögern und erwartet der Große springt unter der Decke hervor. Aber als ich ihn gesehen habe, hatte er weit aufgerissene starre Augen, Speichel-Blasen vor dem Mund, reagierte nicht auf Ansprache und als ich ihn hochgehoben habe, war er komplett schlaff gelähmt. Habe ihn dann ins Bad getragen, meine Frau hat ihn in stabile Seitenlage gebracht und 12 Minuten später war eine Notärztin mit 4 Sanis da. Puls und Atmung waren stabil. Auf dem Weg ins KH hat er sich 3 Mal übergeben, ist dabei langsam aufgeklart, war etwa eine Stunde nach dem Anfall noch verlangsamt aber wieder voll da. Kein Verlust von Stuhl oder Urin.
Er weiß sämtliche Details des Anfalls. Er beschreibt es so, daß er einschlafen wollte, sich alles in seinem Kopf gedreht hat, er in einem bösen Traum gefangen war, aus dem er nicht raus kam, er rufen wollte, nicht konnte, er aufstehen wollte, nicht konnte. Er weiß, daß ich ihn ins Bad getragen habe, konnte die Anzahl der Sanis berichten etc.
Um 2 Uhr nachts im KH wollte er auf die Toilette und hat etwa eine Minute gebraucht, um aus dem Traum rauszukommen. Danach war er wieder vollkommen normal.
Der Chefarzt im KH meinte dann am Donnerstag etwas vorschnell es handle sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Rolando Epilepsie. Da die benign ist, waren wir erst mal beruhigt.
Es wurde dann am Donnerstag Nachmittag ein EEG gemacht. Die Untersucherin meinte anhand meiner Schilderungen eher kein Rolando und ich konnte relativ viele scharfe positive Wellen und wilde Ausschläge sehen.
Am Freitag kam dann die Oberärztin und meinte es gäbe einen aktiven klar pathologischen Fokus rechts temporal im EEG und vermutlich sollte man direkt mit einer Medikation beginnen. Ein MRT am Freitag war ohne Auffälligkeit. Wir haben ein Rezept für ein Notfallmedikament bekommen und sollen am Dienstag nochmal zur Nachbesprechung kommen. Da soll auch eine Medikation besprochen werden.
Vorerst bis zum Gespräch am Dienstag lassen wir ihn nicht aus dem Augen. Er schläft in den Nächten seit den Anfällen bei uns und 11,5 Stunden pro Nacht (mehr als sonst). Er ist etwas blass, aber sonst wieder ganz normal.

Als er knapp 5 war, hatte ich ein ähnliches Erlebnis nach dem Besuch des Augenarztes und Atropin Tropfen. Er saß auf einmal nicht ansprechbar im Kindersitz mit weit aufgerissenen Augen und Speichelausfluß. Bin dann angehalten und habe ihn angesprochen. Auch da war er sehr schlaff und konnte kaum sprechen. Bin dann direkt ins KH und die haben eine Reaktion auf das Atropin vermutet. Sein Zustand war dann nach 2 Stunden wieder besser und wir wurden nicht aufgenommen.

Irgendwann danach hatte er einen Fieberkrampf und war das erste Mal mit dem Notarzt im KH. Die haben ihn damals ebenfalls nicht aufgenommen, weiter untersucht und uns noch in der Nacht wieder nachhause geschickt.

In den letzten Wochen / Monaten hat er vor dem Einschlafen immer mal verzweifelt nach uns gerufen: "ich kann nicht einschlafen". Wir haben ihm dann meistens gut zugeredet und versucht ihn zu beruhigen: "das klappt schon, mach Dir keinen Druck" aber manchmal waren wir auch genervt. Eltern sind ja auch nur Menschen, vor allem, wenn sie (zu Unrecht?) annehmen, Auffälligkeiten sind verhaltensbedingt.
Erstaunlicherweise hat er es immer konsequent abgelehnt, mit geschlossener Tür zu schlafen (Instinkt?) und wenn ich sie mal zugemacht habe, nachdem er eingeschlafen war, hat er sie irgendwann in der Nacht wieder aufgemacht.

Er war in der sprachlichen und motorischen Entwicklung schon immer gering verzögert. Wir haben ihn freiwillig die erste Klasse wiederholen lassen, weil die Lehrerin ihn auf die Förderschule abschieben wollte. Das Schulamt hat ihm einen IQ von 102 bescheinigt und mit der neuen Lehrerin hat er sich zu einem soliden durchschnittlichen Schüler entwickelt (schreibt in der dritten Klasse in Mathe 2- und Deutsch 3-. Meine Frau betreibt allerdings großen Aufwand, ihn schulisch zu unterstützen und er tut sich brutal schwer, die richtige Rechtschreibung zu lernen. Oft macht er Flüchtigkeitsfehler und schreibt Wörter falsch, die er weiter oben noch richtig geschrieben hat. Er lernt die Dinge, aber es dauert immer etwas, bis es sitzt. Skifahren, Fahrradfahren klappt inzwischen perfekt, aber es hat überdurchschnittlich lange gedauert.


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