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Nikotinentzug - Angst vor Entzug

Anton, Montag, 22. Oktober 2018, 19:11 (vor 24 Tagen) @ Timo.M-45

Hallo Timo,

ich habe 1995 nach über 3 Jahrzehnten unter Dampf das erste Mal einen Versuch unternommen, vom Rauchen wegzukommen. Und zwar durch Akupunktur. Kosten lagen bei ca. 100 DM. Auf dem Weg nach Hause konnte ich es gar nicht begreifen, dass ich keinen Drang mehr nach dem sonst so geliebten Nikotin hatte. Der Aschenbecher hat sich damals gefreut, er war so und so übervoll. Leider hat es nicht lange gehalten. Erstens konnte ich nicht verstehen, wie das angehen konnte, mit ein zwei Nadeln keine Sucht mehr nach dem Rauchen zu haben. Da der Stress es mir erlaubte, habe ich es wieder probiert, bis mir die Zigarette wieder schmeckte.

10 Jahre später gab es erneut einen Anlass, das Rauchen zu beenden. Um es dieses Mal zu schaffen, habe ich von Beginn an auf eine Dreifachtherapie gesetzt. Erstens habe ich das Buch von Allen Care „Nie wieder rauchen“ gelesen, hat aber nichts gebracht. Auch zur Akupunktur bin ich wieder gefahren, allerdings dieses Mal zu einer anderen Therapeutin, ich fühlte nicht die Veränderung wie 10 Jahre zuvor. Dann habe ich mir die Nikotin-Ersatz-Pflaster geholt, und zwar die stärkste Sorte. Kosten lagen bei ungefähr 200 Euro.

Das ist jetzt 12 Jahre her. Von den Nikotinpflastern wusste ich, dass nicht noch zusätzlich geraucht werden darf, weil eine doppelte Nikotinzufuhr zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen konnte. Damit hatte ich mir selbst ein Rauchverbot verordnet.

Die Frage nach dem Motiv, das Rauchen aufzugeben, könnte ich wie folgt beantworten. Erstens hatte ich wenige Monate zuvor auf der Intensivstation eines Krankenhauses gelegen und nach einer Zigarette gefragt. Daraufhin bin ich mit dem Bett und allen erforderlichen Versorgungen vor die Tür gefahren worden und durfte rauchen.

Zweitens hatte ich ein Alter erreicht, in dem man sich fragt, was alles man machen kann, um den Prozess des Abbaus zu minimieren. Und drittens stand eine große Kopfoperation (epilepsiechirurgischer Eingriff an rechten Temporallappen) bevor, von der ich nicht wusste, wie lange ich danach bettlägerig sein würde. Die Operation gab mir die Aussicht auf ein neues, verbessertes Leben.

Umgesetzt auf Deine Situation könnte es bedeuten, da Du jetzt durch den auf dem Wege befindlichen Nachwuchs überlegen solltest, was alles Du machen könntest, um ihm ein sorgenfreies Leben zu gewährleisten. Außerdem würde Deine Partnerin sich freuen, denn eine Nikotin-Fr. zu küssen ist wahrlich kein Vergnügen. Die Möbel und Gardinen würde nicht mehr stinken. Und vielleicht würde dir das, was ich dann 5 Jahre nach dem Aufhören erlebt habe, erspart bleiben. 5 Jahre danach bin ich an Krebs erkrankt. Mit immer neuen Rezidiven, zig Operatonen und zahlreichen Chemo. Durch den Einsatz einer neuen Therapie bin ich seit fast 5 Jahren ohne Rezidiv. Fazit bezüglich Rauchen und Epilepsie: Ich bin seit 12 Jahren anfallsfrei und Nichtraucher. Dir wünsche ich viel Erfolg.

Liebe Grüße
Anton

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Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.
(Jean Paul, 1763 - 1825, deutscher Schriftsteller)


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