Epilepsie Online Logos

Subjektive Definition von Behinderung

Anton, Freitag, 30. März 2018, 11:24 (vor 114 Tagen) @ Green

Hallo Sandytime,

ich finde, „Behinderung“ sollte mehr durch das Wort „Einschränkung“ ersetzt werden. „Behinderte“ müssen Hürden überwinden, um das Gleiche zu leisten, wie ihre Zeitgenossen. Behinderung kommt mehr aus dem Sprachgebräuchlichen, wenn jemand Blödsinn redet oder macht, oder unrichtige Dinge extra macht, um damit aufzufallen. Dann sagt man leicht, „der ist auch ganz schön behindert“, aber nicht weil man es so meint, sondern es ist eine Redensweise.

Die Definition „Behinderung“ rührt noch mehr aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Damals hat man richtigerweise festgestellt, dass Handwerker, die Gliedmaßen verloren hatten, genauso gut im Büro eingesetzt werden können, und so ihren Beitrag am Arbeitsleben leisten können. Sie wurden, wie auch heute noch, bei gleicher Qualifikation bevorzugt bei Bewerbungen.

Wenn Ärzte von „erheblichen Defiziten“ sprechen, meinen sie, dass zwar ausreichend Ressourcen vorhanden sind, diese aber durch die Nebenwirkungen der Medikamente nicht zum Einsatz kommen können. Man könnte auch von kognitiven Defiziten sprechen.

Ich halte den Ausdruck „Einschränkungen“ für wesentlich passender als den Begriff „Behinderung“. Denn Behnderung bezieht man leicht auf die geistigen Fähigkeiten, was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, auch bei Epilepsie nicht. In Wirklichkeit wird es ja auch bei der Bemessung des Ausweises so dargestellt. Und zwar geht es um Nachteilsausgleiche, die dem Inhaber Vorteile verschaffen, um mit Menschen ohne Einschränkungen auf einer Stufe zu stehen.

In meinem Ausweis steht eine MdE von 100 und das Merkzeichen „G“. Auch ich habe ein anderes Empfinden, das beweise ich mir durch sportliche Leistungen. Wenn Du schreibst, „Schwerbehinderung 70 %“ ist das nicht richtig. Mit der MdE wird festgestellt, wie hoch der Nachteilsausgleich sein muss, um dich mit Gesunden auf eine Stufe zu stellen. Die Angabe im „Schwerbehindertenausweis“ hat nichts mit Behinderung zu tun, sondern soll ein Ausgleich sein. Was aus sozialer Sicht richtig zu werten ist.

Gute Grüße
Anton

--
und übrigens: Freundlichkeit ist eine Zier, doch es geht auch ohne ihr...


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum