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Teufelsspirale - Stress, Angst, Anfall

Steffi1208, Samstag, 09. September 2017, 17:13 (vor 42 Tagen)

Hallo Leute!

Ich (25 Jahre alt) habe seit meinem 16. Lebensjahr Epilepsie. Ich nehme die Medikamente Lamotrigin und Levetiracetam.
Meine Anfälle (Komplex fokale häufig, GM selten) hängen stark von meiner Gemütslage ab. Der Hauptauslöser ist daher Stress und mein Problem ist, dass ich bereits seit ein paar Wochen niemals das Gefühl habe, ruhig/entspannt zu sein. Hinzu kommt gelegentliches Herzwummern - kleine Panikattacken, die zwar nervenaufreibend sind, doch mit denen ich mittlerweile umgehen kann.

Das letzte halbe Jahr hat sich viel angesammelt (meine Großmutter ist gestorben, der Bruder meines Freundes hatte einen Badeunfall und ist nun hirntot - es wird nicht mehr lange dauern - , ich hatte eine ziemlich heftige Beziehungskrise), doch ich kam einigermaßen damit klar. Erst vor ein paar Wochen habe ich angefangen, mich mehr oder weniger zu isolieren. Ich mache derzeit eine Umschulung zur Großhändlerin in einem Berufsförderungswerk (eine Art Internat, in dem körperlich und psychisch eingeschränkte Menschen eine herkömmliche Umschulung machen können) und dort stoße ich das ein oder andere Mal auch an meine Grenzen. Man kann sich eben nicht völlig vor anderen abschotten, ohne zu vereinsamen. Daher bekomme ich auch so allerlei Probleme von anderen mit und versuche immer zu helfen. (Mein Freund und ich sehen uns nur am Wochenende)

Es hat etwa vor einem Monat begonnen, dass ich mich ständig nach Zurückgezogenheit sehne. Ich will nur noch meinen Freund in meiner Nähe haben und tue mich schwer, mich zu Besuchen bei Freunden oder unseren Eltern zu überwinden. Wenn ich es geschafft habe, dann ist es auch okay, aber richtig wohl fühle ich mich unter Leuten nicht, weil ich ständig das Gefühl habe, dass man Erwartungen an mich hat und ich immer gutgelaunt und witzig sein muss (insb. bei meiner Schwiegermutter, von der ich ohnehin die Befürchtung habe, dass sie sich für ihren Sohn eine starke und gesunde Frau gewünscht hätte). Das widerum versetzt mich in Stress und ich bekomme Auren oder Anfälle und isoliere mich weiter, mittlerweile meide ich meine Schwiegerfamilie komplett.

Auch wenn es mein Freund nie sagt und mir immer Verständnis zusichert, habe ich Angst, dass ich für ihn irgendwann bloß nur noch eine Belastung bin. Ich bin zur Zeit seeehr nahe am Wasser gebaut und die Phasen, in denen ich "neutral" bin, werden immer kürzer. Ich werde auch sehr schnell wütend und pampe mittlerweile auch schon meine Ausbilder an. Gestern kam es zu einer Eskalation und ich habe, während eines Streits, meine Mutter zu Boden geschubst. Ich war kurz davor, mich selbst einzuweisen, denn so etwas darf einfach nicht vorkommen, auch wenn diese Frau (Diagnose: schizophren, manisch-depressiv, ebenfalls Epileptikerin mit gefühlten 1000 Tablettenumstellungen) äußerst anstrengend sein kann.

Mit meinen Anfällen habe ich weniger Probleme (in der öffentlichkeit ist es zwar unangenehm, aber es nagt nicht übermaßig an mir), aber die Nebenwirkungen meiner Medikamente schaffen mich. Ich fühle mich allein, da mich niemand (bis auf meine Mutter) versteht und ich habe eine Scheißangst, meinen Freund zu verlieren und alleine zu sein. Ich untersage ihm ja nicht, dass er raus zu Freunden geht. Aber auf die Dauer wird er es bestimmt lästig finden, immer wieder seine Freundin zu entschuldigen, weil sie ein dünnes Nervenkostüm hat.

Leute, kennt jemand diese Gefühle? Ich weiß einfach nicht, ob das alles mit den Nebenwirkungen zu tun hat oder ob ich ernsthaft psychisch krank bin (was für mich am allerschrecklichsten wäre). Wenn es tatsächlich die Nebenwirkungen sind, dann habe ich Angst vor einer Tablettenumstellung, denn jedes Medikament dieser Sorte verändert einen. Meine Mutter meinte einmal, dass sie schon gar nicht mehr weiß, wie sie wirklich ist. Ich weiß, dass es so auf keinen Fall mit mir weitergehen kann, aber es wäre dann die 4. Umstellung und ich will auch nicht so enden wie meine Mutter! Hat jemand einen Rat, wie man diese Ruhelosigkeit unabhängig von irgendwelchen Medikationen los wird? Wie bewältigt ihr die Nebenwirkungen von den Tabletten im Alltag?

Entschuldigung für den ellenlangen Text.

Grüße,

Steffi


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