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Re: Re: EpiFacharbeit

Dirk @, Dienstag, 21. Februar 2006, 22:16 (vor 4928 Tagen) @ wiccahexe

Hallo Jenny

Was Epilepsie und Reaktionen vom Umfeld angeht kann ich dir einiges aus meiner Erfahrung berichten. Während der Schulzeit hatte ich im Jugendzentrum mal so einen Anfall. Auf einen Schlag wirst du zum Außenseiter. Daraufhin hab ich mir eine Art Terrornetzwerk aufgebaut um den anderen Paroli zu bieten. Meine Verbündeten suchte ich mir unter anderen Randgruppen der sogenannten zivilisierten Gesellschaft wie Obdachlose, psychisch Kranke, Ausländer. Sie sind oft die besten Freunde.

Weil ich oft nachts Anfälle hatte und daher auch oft Verletzungen und Prellungen wandte ich einen Trick an. Im Armyshop besorgte ich mir Springerstiefel und Bomberjacke. Als "rechter Schläger" war ich auf einmal geachtet und gefürchtet. Viele wollten meine Freundschaft. Alleine die Tatsche ist traurig das man als Neonazi viel mehr Respekt und sogar Achtung bekommt während du mit Epilepsie als Dummkopf abgestempelt wirst, da nimmt dich keiner Ernst und Freunde hat man auch kaum.

Als ich bei der Arbeit, ich arbeite übrigens im Krankenhaus als Techniker, einen Anfall hatte war ich abgestempelt und nur für Hilfsarbeiten gut genug. Kürzlich stellte sich die Epilepsie aber als Diabetes und Herzerkrankung heraus. Sobald die Diagnose bekannt war verhielt sich das ganze Umfeld eigenartig. Ich wurde auf einmal mit "Sie" und "Sehr geehrter Herr" angeredet. Jetzt wurde ich zum Cheftechniker der Qualitätssicherung ernannt. Außer der Bezeichnung und Ursache hat sich nichts geändert. Ich habe die gleichen Anfälle wie vorher, ich nehem genauso Medikamente wie vorher. Nur das es Insulin statt Antiepileptika ist und der Anfall durch Zucker ausgelöst wird. Ein Teil sind Synkopen vom Herz, da nehm ich Betablocker. Auch meinen Führerschein erhielt ich sofort zurück. Auf der BH hieß es "Selbstverständlich Herr Egger, wir leiten das sofort in die Wege."

Das Problem ist gar nicht die Erkrankung als solche sondern in den meisten Fällen das Umfeld, wo der Betroffene häufig abgekänzelt wird. Das bedeutet meistens eine enorme psychische Belastung.

Grüße Dirk


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